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Schiff und Crew
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Am 31.März ist es endlich soweit: Unser Schiff soll wieder dahin, wo es hingehört: ins Wasser! Dieses Frühjahr zeigte sich von einer ganz anderen Seite als das im letzten Jahr, denn es gab fast keinen Winter, den wir zusätzlich für uns persönlich noch verkürzt haben, weil wir für 6 Wochen in die Dominikanische Republik "ausgewichen" sind.  Nach der karibischen Wärme ist der Temperaturunterschied zwar ein kleiner Schock, doch die heller werdenden Tage in unseren Breiten und viele frühlingshafte Sonnentage machen doch Lust, die notwendigen Bootsarbeiten in Angriff zu nehmen.  Somit können wir gelassen dem Sliptermin entgegensehen, von außen ist alles bereit, die weiteren erforderlichen Arbeiten können erledigt werden, wenn das Schiff im Wasser ist. Harald hat u.a. den Gasflaschen-Behälter vertieft, damit wir künftig eine größere Gasflasche verwenden können, was jedoch "Kettenreaktionen" auslöst : z.B. muss die darunterliegende Heizung etwas verlagert werden, genauso wie der angrenzende Generator..... Das wird demnächst erledigt. Heute ist erst einmal wichtig, dass alle Schiffe gut und ohne Schäden in ihr Element gesetzt worden sind und der Takelmeister aufatmen kann. Strahlender Sonnenschein hebt die Stimmung, der kalte Nordostwind kühlt die Euphorie. Erste Übernachtung  auf dem leicht schaukelnden Schiff ist wieder anheimelnd und erholsam. Am Sonntag, dem 1.April - kein Aprilscherz! - wird der Mast gereinigt, aufgeriggt und vorbereitet , jetzt muss nur noch der Windanzeiger montiert werden, doch plötzlich hat Harald den Richtungsanzeiger in der Hand!! Es ist Sonntag, kein Geschäft hat geöffnet, um einen neuen kaufen zu können, ungern möchten wir den Mast so bis zum Montag liegenlassen. Doch die Gemeinschaft der Segler ist ja eine ganz tolle: Bruno kennt jemanden, der eine super Werkstatt hat und dort auch  Edelstahl löten kann, also macht Harald sich auf den Weg, um beim Kaffeetrinken zu stören: "... Bruno schickt mich..." Hilfsbereitschaft ist etwas wunderbares = der Schaden wird repariert  ( "... der wird nie mehr abfallen.." ) - vielen Dank Helmut - und  dann kann am Nachmittag doch noch der Mast gesetzt werden. Danach verholen wir das Schiff auf die Westseite  der  Kieler-Förde in  das Hauptbecken unseres Segelclubs in Düsternbrook. Hier können wir vorerst liegenbleiben, bis die anderen Schiffe auch ins Wasser kommen und mit etwas günstigeren Bedingungen als in Friedrichsort dann an Ostern weiter zu arbeiten.




Ostern, 6.04. – 9.04.

Am Karfreitag kommt der Hochdruckreiniger zum Einsatz: Heidrun reinigt akribisch Zentimeter für Zentimeter das Deck unseres Schiffes. Nachdem der Schmutz der letzten Saison und des Winterlagers aus der „geriffelten“ Oberfläche entfernt ist, strahlt alles wieder hell und sauber. Harald baut den Wasserboiler wieder ein, dem im Winter ein neues Ventil eingebaut worden ist, doch zum Schluß bleibt das vorerst nicht lösbare Problem, dass die Druckwasserpumpe sich nicht selbständig abstellt, wohl deshalb, weil am Boiler nach einer gewissen Zeit aus einem Schlauch Wasser austritt und unsere Bilge füllt. Also wird die Wasserpumpe nur angestellt, wenn Wasser benötigt wird, später dann die Bilge wieder gelenzt. Die Heizung will auch nicht anspringen, obwohl sie beim Heizungsmonteur in Hamburg einwandfrei lief und Harald danach noch die vermutlich porösen Wasserschläuche  ( Warmwasserheizung ) erneuert hat. Und das bei den kalten Temperaturen!! Gut, dass wir immer noch den Heizlüfter an Bord haben, der permanent gefordert wird. U.a. wird auch das Vorsegel angeschlagen und aufgerollt, die Sprayhood angebracht, und, und, und… Am Ostermontag fahren wir mittags wieder zurück nach Hamburg, denn es ist regnerisch und ungemütlich; im Kofferraum ist der wieder ausgebaute Wasserboiler.



14.-16.04.

Herrliches Wetter: Wir überführen das Schiff von Düsternbrook zum festen Liegeplatz in Stickenhörn/Friedrichsort. Bei fast sommerlichen Temperaturen soll dem Holz-Süll der Colan-Lack abgezogen werden, weil ein Neuanstrich nach 6 Jahren erforderlich wird. Und bei diesen warmen Temperaturen kann Harald dann am Sonntag die neue Farbe auftragen. Den Wasserboiler hatten wir nochmals prüfen lassen: alles o.k., es könnte an unserer Druckwasserpumpe liegen. Beim Ausbauen und prüfen derselben kann Harald nichts feststellen, also muss dieses Problem weiter bearbeitet werden…. Es gibt noch viel zu tun.


19. + 20.04.

Nach Heidruns Zahnarzttermin am Vormittag fahren wir doch noch zum Schiff, um es weiter auszurüsten bzw. zum Arbeiten. Es ist ungemütliches, kaltes und stürmisches Wetter, kaum jemand im Hafen. Der heftige Westwind hat den Wasserstand verringert, der Schiffsbug liegt ziemlich tief und erschwert den Übergang mit all den vielen Körben und Taschen. Harald als Staumeister hat dann längere Zeit damit zu tun, u.a. auch den mitgebrachten Konservenbestand u.ä. einzulagern.

Am darauffolgenden Tag ist der Wasserboiler und die Druckwasserpumpe dran. Nach verschiedenen Tests mit den Zuleitungen des Boilers und dem Ausbau ( Prüfung ) der Pumpe ( als “Schlangenmensch” unter der Spüle ) zeigt sich leider kein Erfolg. Am Ostufer der Kieler Förde gibt es einen Pumpenfachhandel, zu dem Harald dann mit der ausgebauten Wasserpumpe fährt, um diese evtl. dort prüfen zu lassen , notfalls eine neue zu kaufen. Der entscheidende Tipp: vermutlich ist der Druckschalter (Verschleißteil ) defekt = also Ersatzteil gekauft und eingebaut: nun ist alles in
Ordnung !! Die “Bilge-Waschanlage” hat ausgedient. Dieser Erfolg wird gekrönt mit einem guten Essen auf der Fahrt nach Hause: wir eröffnen unsere persönliche Spargelsaison.

26.04. - 1.05.

Das Wetter wird zusehends schön und warm, also: auf zum Schiff. Das Süll erhält einen zweiten Anstrich; danach wird die Fäkalientank-Pumpe ausgebaut , weil diese auch streikte: der Impeller hat mehrere abgebrochene Flügel - Ersatz ist glücklicherweise an Bord -, und außerdem entdeckt Harald in der Backskiste ein loses Kabel, was die Ursache dafür war, dass der Autopilot bei der Überfahrt nach Stickenhörn ausgefallen war. Schön, wenn ein Problem nach dem anderen behoben werden kann. Bei sommerlichen Temperaturen kann Arbeiten sogar Spaß machen. Es wird poliert, geputzt, die Sprayhood bearbeitet, Acrylflächen mit Pflegemittel bearbeitet, 2 Winschen auseinandergebaut, gesäubert und neu gefettet, und, und, und..... Verschnaufpausen dann im sonnigen Cockpit. Sooo gründlich konnten wir letztes Jahr keine Vorbereitungen treffen; schön, dass wir nicht mehr arbeiten müssen und wir uns diese Zeit jetzt nehmen können, es vermittelt ein befriedigendes Gefühl.



Spannend wird es dann am Montag, 30.04.: Der Heizungsmonteur kommt, um hoffentlich unsere Heizung wieder in Gang zu setzen. Außerhalb des Schiffes läuft sie - auch im Dauertest - einwandfrei, nur nicht im Schiff.....?? Stromversorgung und alle Leitungen werden geprüft, dabei u.a. erhebliche Spannungsverluste festgestellt und entsprechend bearbeitet. Nach ca. 2 ½ Stunden läuft die Heizung; nur für das Gebläse muss Harald später noch einen anderen Schalter einbauen, der jetzt nicht vorliegt, jedoch keine Schwierigkeiten verursachen wird. Abends breitet sich die lange nicht mehr genossene schöne Wärme aus, es ist kuschelig warm. Nach ca. 4 ½ Stunden jedoch: Aus !!! Die Heizung streikt!! Der Skipper ist ratlos und auch die Besatzung entsprechend betrübt. Was nun? Am nächsten Vormittag wieder Abstieg in die Backskiste; der erste Versuch: haut gleich die neue /höhere Sicherung durch...... Weitere Versuche bleiben erfolglos. Segeln ist heute auch nicht möglich, da so gut wie kein Wind weht. Also fahren wir gefrustet etwas früher nach Hause, um wenigstens dem Rückreiseverkehr dieses “XXL-Wochenendes” zu entgehen.

Unser "Möwenschreck" , der künstliche Rabe; er hilft uns, dass wir nicht ganz so vielen Möwenschiss wegputzen müssen. Außerdem paßt er gut zur "Viking", da auch bei den Wikingern immer Raben zur Landfindung auf Touren mitgenommen worden sind.   


04. - 06.05.

Das erneute Treffen mit dem Heizungstechniker am 4.05. endete endlich erfolgreich. Ursache der Störung war der Deckel auf der Heizung, der sich lockern konnte und deshalb für die Unterbrechung der Heizung sorgte. Nun wird alles fest verklebt, geprüft = fertig!! Abends wieder wohlige Wärme im Schiff, der weitere komkortable Effekt: somit steht auch wieder fließend heißes Wasser zum Waschen und Abwaschen bereit. Am 5.05. ist 100-jähriges Schuljubiläum von Haralds Gymnasium in Kiel, zu dem auch die ehemaligen Schüler eingeladen worden sind; reichhaltiges Programmangebot in der gesamten Jubiläumswoche, heute Abend jedoch Treffen im Kieler Schloß, zu dem Harald geht.  Tagsüber werden nun weitere Vorbereitungen getroffen, denn der Start unseres Törnbeginns rückt näher. Ein Fenderbrett wird angepasst, Autoreifen als Fender "verkleidet"; am Nachmittag noch etwas Proviant eingekauft, registriert und verstaut. Als Harald zum "Schüler-Treff" abgefahren ist, vertreibt sich Heidrun die Zeit beim Fensehen. Natürlich wird wieder die Heizung angestellt. Nach der entsprechenden Einschaltzeit  sollte auch wieder das Gebläse laufen - die Heizkörper werden warm, das Gebläse springt jedoch nicht an ??... Nach ca. 1  Stunde "rumpelt" es: die Heizung ist aus!! Am nächsten Vormittag prüft Harald alles: der Deckel ist "bombenfest", jedoch vom Kühlwasser ist etwas übergekocht. Flüssigkeit nachgefüllt, an der Wasserpumpe ( wo einige feuchte Stellen festzustellen sind ) werden alle Schrauben nachgezogen, da einige nicht ganz fest sind. Der Probelauf sorgt zwar für warme Heizkörper, jedoch das Gebläse springt nicht an. Unsere Nerven quietschen!  Leider haben wir heute nicht mehr Zeit zur Verfügung, weil nachmittags Geburtstagskaffee beim Neffen angesagt ist; danach werden wir nach Hamburg zurückfahren. Wir wollen am kommenden Wochenende voraussichtlich "einziehen", also wird die Woche zu Hause mit Vorbereitungen ausgefüllt sein. Die Wetterprognosen sind jedoch nicht gut: außer Regen sind auch Starkwind und Sturm für die nächsten Tage angesagt, so dass wir am Wochenende vermutlich noch nicht starten können, jedoch dann in den "Startlöchern" sind, wenn Wetter und Wind günstig sind.


11. - 13.05.

Heute Nachmittag kommen wir mit "Sack und Pack" auf unser Schiff, denn nun bleiben wir "b.a.w."! Es dauert seine Zeit, bis das Auto ausgeladen ist; freundlicherweise hält sich der Regen etwas zurück, so dass fast alles trocken an Bord gelangt. Harald baut den neuen Schalter für das Gebläse der Heizung ein; passt natürlich nicht sofort in das entsprechende Loch, muss also noch weiter ausgesägt werden. Draußen giesst es in Strömen, heftige Böen schaukeln das Schiff. Alles können wir noch nicht verstauen, da wir abends noch mit Freunden bei uns an Bord sitzen und uns erst sehr spät voneinander verabschieden. Die Heizung lief ca. 1 Stunde, dann kochte wieder das Kühlwasser über, doch eine schöne Grundwärme ist erreicht worden, den "restlichen" Abend ist der Heizlüfter dran. Als Heidrun am nächsten Morgen aufwacht, war der Gatte schon aufgestanden, jedoch: "weg" ?   Draußen im Cockpit sind nur der Po und die Beine von Harald zu sehen, der Rest steckt kopfüber in der Backskiste: Heizungsbearbeitung! Danach die Heizung angestellt, ca 45 Minuten laufen lassen, rechtzeitig, bevor das Wasser überkocht, wieder abgestellt: reichte für das morgendliche heiße Wasser zum Waschen und Abwaschen. Wir werden am Montag nochmal die Heizungsfirma anrufen, vielleicht kann der Techniker wieder kommen = dieses Problem muss doch irgendwie zu lösen sein! Danach die restlichen "Mitbringsel" verstaut, dann ein neues Reisebügeleisen gekauft, weil wir unseres zu Hause vergessen haben...... Das Wetter ist kalt und nass, für die nächsten Tage ist keine Besserung in Sicht: kräftiger Wind und Schauerböen, lautet die Vorhersage. Abends gehen wir mit Freunden zum Spargelessen = sehr schmackhafter und damit positiver Tagesabschluß. Am Sonntag noch Punkte der "To-do-Liste" abgearbeitet, nachmittags sogar im Trockenen mit Sonnenschein Kaffee im Cockpit getrunken. Danach zieht sich der Himmel allmählich wieder zu, dicke graue Wolken brauen sich zusammen: ein erster kurzer Regenschauer. Der abendliche Seewetterbericht spricht von durchziehenden Tiefs, zunehmenden 6 Bft und heftigen Gewitterböen, jedoch immerhin schon aus westlichen, nicht östlichen, Richtungen, denn wir wollen in diesem Jahr Richtung Osten segeln. 

Unser kleiner Garten mit Kräutern gegen "Skorbut" ist auch wieder an Bord

 14.05.

Nachts hat es heftig geregnet; beim Aufwachen jault und pfeift es in der Takelage, aber: Sonnenschein! Extra für Heidruns heutigen Geburtstag  bestellt? Nach einem opulenten Frühstück heißt es dann jedoch: schnell abwaschen, denn Harald hat nach dem morgendlichen Anruf bei der Heizungsfirma die Zusage erhalten, dass der Techniker heute Vormittag kommen kann! Nach der Schilderung der neu aufgetauchten Probleme und der Antwort, dass die evtl. benötigten Ersatzteile vorliegen, sind wir nun ganz gespannt. Unser "Hoffnungsträger", der kompetente und nette Techniker, der schon zweimal hier war, erscheint pünktlich. Zwar etwas kreuzlahm, weil er in der vergangenen Woche wg. "Hexenschuss" nicht arbeitsfähig gewesen war und das Arbeiten in der engen und schaukelnden Backskiste nicht gerade gut bei Rückenproblemen ist, doch tatkräftig nimmt er unser "Sorgenkind" in seine Hände. Nach und nach stellt sich dann heraus, dass die Wasserpumpe defekt ist und auch der Temperaturfühler, der für den richtigen Heizungslauf verantwortlich ist und deshalb die Ursache für das Überkochen war. Nach wenigen Stunden: jetzt ist alles in Ordung; mit das schönste "Geburtstagsgeschenk"!!! Bis zum frühen Abend bleibt es trocken und freundlich, dann einige Regenschauer. Wir fahren mit dem Auto nach Schilksee und sehen uns die Umbauten im Hafenvorfeld an: wird sehr gut sein, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. In der "Bauernstube" nehmen wir das Geburtstagsessen ein, danach zurück zum Schiff, um die Heizung auszuprobieren. Es wird schön warm und die jetzt wieder richtigen Geräusche der Heizung beruhigen unsere Nerven der fast "never-ending-Story"........


15.05.

Der Seewetterbericht spricht von abnehmenden Winden; das Geschaukel im Hafen wird nur noch bei kräftigen Böen hervorgerufen. Wenn nichts dazwischen kommt, starten wir morgen.   

15.05.

Wir starten nicht! In der Wetterküche wurde heftig umgerührt. Wetterbericht: morgens 3 Bft ( stimmt, auch Regen ), SO-drehend, Schauer- und Gewitterböen, NO-N drehend, zunehmend 6 Bft, dabei Böen von 7 Bft. Alles gegen uns! Momentan sind so viele Tiefs in Bewegung, dass sich hier stets etwas sehr schnell ändern kann und Vorhersagen damit schwierig werden. Warten wir also weiter.......

19.05.

Heute geht es los! Morgens regnet es ( noch ), weil noch ein Tief wieder durchzieht; angesagt wurde S-SW 5-6 Bft + Schauerböen, abnehmend 4 Bft, Wetterbesserung. Deshalb keine Eile beim Aufbruch, wir frühstücken noch gemütlich, füllen Wasser in die Tanks, bereiten alles vor. Start um 10.55 h;  unter Motor laufen wir bis kurz vor den Friedrichsorter Leuchtturm, dort bringen wir "dem weißen Mann" unseren Obulus für eine gute Fahrt dar: ein Schluck Rum für ihn, für uns ein Mini-Schlückchen. Dann rauschen wir bei SSW 4-5 Bft. unter Segeln aus der Kieler Förde, am Himmel zeigen sich die ersten blauen Flecken, die sich im weiteren Tagesverlauf durchsetzen und nur noch einzelne Wolken zulassen. Mittags nimmt der Wind etwas ab, dreht dann westlicher, wird weniger. 14.55 h nur noch W 2 Bft, jedoch Dünung, die bremst. Also Motor an, Segel runter, es ist nun ganz sonnig und spiegelglatte See! Als wir in den Fehmarnsund einlaufen, kommt zwar ein leichter Ostwind-Hauch auf, doch reicht dies nicht aus. Da wir die Fehmarnsundbrücke unterqueren und uns an die Fahrrinne halten müssen, motoren wir durch bis zum Hafen Burgtiefe auf Fehmarn; fest um 18.45 h. Ziemlich viel Trubel im Hafen, da einerseits heute Regatten gewesen sind und nun die entsprechenden Crews sich darüber unterhalten, andererseits sind auch viele Segler , die dieses Himmelfahrtswochenende bzw. die Zeit bis Pfingsten, mit dem Schiff unterwegs.  Die schöne Abendstimmung lockt alle ins Freie. Wir haben einen schönen Liegeplatz gefunden und sind von der vielen frischen Luft ganz geschafft, was sich so auswirkt, dass zuerst Heidrun, etwas später Harald, ungewöhnlich zeitig in den Kojen verschwinden.                                                            40 sm  



20.05.

Wir stehen zeitig um 6.00 h ( !! ) auf, weil für heute wenig Wind angesagt ist und wir nach Warnemünde wollen. Ein herrlicher Morgen: sonnig, Tau auf dem Schiff, Ruhe im Hafen -doch nein: da sind schon etliche Segler unterwegs, frisch geduscht werden die Handtücher zum Trocknen ausgehängt. Na ja, üblicherweise verschlafen wir so etwas. Der Wind ? Wenig war ja angesagt, doch z.Z. ist  k e i n  Wind!! Wir starten den Motor um 7.30 h, Frühstück wird "auf See" verlegt, nachdem der Kaffee gekocht worden ist. Die See ist spiegelglatt, die Sicht etwas diesig. Bei der bleibenden Motorboot-Tour ist die höchste Abwechslung: hält sich die Kräuselung auf dem Wasser ? - nein, es wird wieder eine glatte Oberfläche. Der voraus querlaufende Frachter stört diese "Ruhe", weil er Schwell verursacht. Kurz vor Warnemünde bleibt die Kräuselung auf dem Wasser bestehen, nun scheint doch Wind aufzukommen. Doch nun haben wir keine Lust mehr, die Segel für das kurze Stück hochzuziehen, wir bleiben bei der Diesel-Genoa. Wir laufen den neuen Hafen "Hohe Düne" an, um diesen kennen zu lernen; fest um 13.05 h, jede Menge ( !! ) freie Plätze. Mit der Zahlung der Hafengebühr erhält man ( gegen Pfand ) einen Chip für die Sanitäranlagen, der jedoch auch zur kostenlosen Nutzung der Fähre nach Warnemünde / Alter Strom berechtigt. Das machen wir dann auch und setzen über die Warnow, reihen uns in den Strom der Pssanten ein und bummeln entlang der Fischstände, Kutter, Geschäfte und natürlich den so hübsch restaurierten Häusern in Warnemünde. Am Strand sind zur Dünenbefestigung Strandgras-Setzlinge gepflanzt worden, damit der Sand nicht so stark abgetragen wird. Immer wieder schön hier! Mit dem Barkassen-Shuttle fahren wir abends wieder zurück in den ruhigen Hafen. In der Nähe von Rostock wohnen Freunde von uns, mit denen wir uns für morgen,nach deren Dienstschluß, telefonisch verabredet haben.                                                                                                                                                             35,7 sm


21.05.

Sommerliches Wetter! Weil wir heute hierbleiben, nutzen wir das Wetter aus, um Wäsche zu waschen. Im Büro des Hafenmeisters ist ein separater Internet-Platz, an dem kostenloser Zugang ins Netz mit dem vorhandenen Bildschirm möglich ist, oder das eigene Laptop an einer zweiten Leitung angeschlossen werden kann - hier allerdings ohne Stromsteckdose, d.h., das eigene Gerät läuft auf Batterie. Wir empfinden dies als gute Service-Einrichtung. Vom Schiff aus könnte man auch kabellos ins Netz, doch diese Nutzung ist verhältnismäßig teuer. Also aktualisieren wir jetzt unsere Homepage. Nachmittags erkundet Harald mit dem Fahrrad die weitläufige Anlage mit Hotel, Kongressräumen und Appartements, während Heidrun im Cockpit die Sonne genießt und die Wäsche "bewacht". Danach Essensvorbereitungen. Gemeinsam mit unseren Freunden sitzen wir in lauer Luft im Cockpit, essen und klönen. Zwar "wabert" abends eine Gewitterfront auf uns zu, erste Regentropfen treiben uns unter Deck, doch bald ist es wieder trocken und die Front entlädt sich irgendwo anders.


22.05.

"Ausgebremst": Wir sind soo früh aufgestanden, weil es heute weitergehen soll, aber: dicke Nebelsuppe!! Unser Steg ( die anderen sieht man gar nicht ) endet Richtung Landseite im Dunst, "abgeschnitten" von der Welt. Nach ca. 2 Stunden ist der Hafen wenigstens sichtbar; lichtet sich nun der Nebel?  Nein = mal dünner, mal dicker die Schwaden. Nebelhörner der einlaufenden Fähren  und Frachter dröhnen durch die Luft, andere Schiffe antworten mit ihrem Tuten. Weil unsere Strecke Richtung Insel Rügen zum nächsten Hafen mindestens ca. 48 sm beträgt, da der Hafen Darßer Ort versandet und somit gesperrt ist, schaffen wir die Strecke heute nicht mehr. Also legen wir noch einen Hafentag ein. Es hat sich empfindlich abgekühlt nach dem gestrigen warmen Tag, wo kurze Hose und Shirt ausreichende Bekleidung waren; jetzt ist der langärmelige Pullover notwendig. Gegen 12.30 h löst sich der Nebel gaaanz langsam auf, die Häuser von Warnemünde sind wieder zu sehen, über See dauert es länger, bis freie Sicht ist.



23.05.

Leinen los um 7.25 h, ein freundlicher Morgen, heiterer Himmel. Bei Wind NW-W, 3-4 Bft segeln wir mit schöner Geschwindigkeit entlang der Küste Richtung Darßer Ort. Um 12.00 h runden wir den westlichen Markierungspricken für das vorgelagerte Flach. Die See spült den Sand der westlichen Dünen-Küste weg und lagert ihn nordöstlich der Landspitze wieder ab, so dass das Land in diese Richtung "wächst". Nun segeln wir vor dem Wind wie ein Schmetterling gen Ost, auf Hiddensee zu. Vorübergehend ziehen sich einige Wolken zusammen, doch der Wind legt zu und vertreibt sie wieder. Unter sonnigem blauen Himmel rauschen wir bei 5 Bft auf die Einfahrt zur Rinne entlang Hiddensee gen Süden und zwischen Zingst. Das Großsegel nehmen wir weg und laufen um 15.37 h in die Rinne bei Gellen nach Barhöft. rechts und links sehr flaches Wasser, z.T. trockenfallende Gebiete. Um 16.40 h sind wir fest am Gästesteg mit Heckboje in Barhöft. Sehr geschützter Hafen, vom starken Wind ist kaum etwas zu merken. Landschaftlich sehr schön und idyllisch = "Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft". Es zwitschert überall, Fische springen im Wasser. Abends flaut der Wind ab. Es war ein wunderschöner Segeltag!                                                                  50,3 sm





24.05.

Ein strahlender sonniger Tag, die Schwalben sausen um die Schiffe, Fische springen laut platschend aus dem Wasser, um an dem Grünzeug der Schwimmstege und Bojen zu knabbern. Wir genießen noch die warme Sonne im Cockpit- auf See ist der Wind so kalt - , als ein Fischkutter vom Fang zurückkommt und die Fische direkt verkauft. Das ist natürlich etwas für uns: wir erwerben zwei schöne Steinbutt, die es heute Abend geben wird. Um 12.30 h legen wir dann ab, motoren bis zur Rinne, in der wir uns dann - nur mit Vorsegel - bei achterlichen Winden und Blick nach links auf Rügen die kurze Strecke bis Stralsund treiben lassen. Kurz vor dem Hafen der Citymarina Stralsund wird das Segel eingerollt und wir motoren - wieder eine Rinne! - in den Hafen. Hier finden wir neue Steganlagen mit Auslegern vor; reichlich Platz!  Fest um 15.00 h. Wir wollen morgen noch bleiben und uns das "Weltkulturerbe Stralsund" in Ruhe ansehen, da es viele Jahre her ist, seit unserem letzten Besuch hier.                                                                                                                        8,8 sm


25.05.

Ein sonniger, sehr warmer Tag begrüßt das heutige Geburtstagskind Harald! Nach einem ausgiebigen und reichhaltigen Frühstück machen wir uns bereit, die historische Altstadt Stralsund zu besichtigen. Wir waren zuletzt Anfang der 90-er Jahre hier und stellen fest, dass sehr viel für diese Gebäude getan worden ist: Wunderschön restaurierte und renovierte Häuser mit den typischen Stufen-Giebeln, die großen Kirchen strahlen in geputzten Fassaden und rekonstruierten Innengemälden, die Backsteingotik präsentiert sich eindrucksvoll. Sehr touristenfreundlich ist auch, dass an vielen historischen Gebäuden Informationstafeln angebracht sind, auf denen die Bedeutung und Geschichte nachzulesen ist. Als wir in den Parkanlagen des Knieper Teichs sind, weht uns ein starker Wind ins Gesicht, der Himmel zieht sich allmählich zu; also gehen wir wieder in die Häusernähe, entlang der alten Stadtmauer, damit notfalls etwas Schutz vorhanden ist, wenn das Gewitter beginnen sollte. Wir sind nachmittags gerade zurück an Bord, als der Himmel dann ganz schwarz wird und bald darauf Sturmböen ein sehr heftiges Gewitter einleiten. Die stärksten Blitze und Donner ziehen zwar Richtung Rügen weiter, doch es blitzt und grollt - mal mehr, mal weniger - mit kräftigen Regenschauern über unseren Köpfen. Als der Regen vorübergehend nachläßt, nutzen wir die Gelegenheit, um schnell um den Hafen zu gehen, um im "Fischermann's" das Geburtstagsessen einzunehmen. Beim Zurückgehen regnet es zwar noch, das Gewitter ist jedoch "durch".







26.05.

Leinen los um 8.50 h, wir motoren zur Klappbrücke Ziegelgraben, da diese um 9.20 h öffnet ( die nächste Öffnung ist erst wieder um 17.20 h ). Frühstück wird auf später verschoben, da nach dem gestrigen guten Essen der Hunger jetzt noch nicht groß ist. Es ist wieder sonnig, jedoch schwül. Im Radio hörten wir, dass gestern in vielen Teilen unseres Landes heftige Unwetter waren, besonders u.a. auch auf Rügen. Für heute sind ebenfalls kräftige Gewitter angesagt. Momentan ist Flaute, wir motoren weiter den Strelasund gen Süden, diesige Sicht. Im betonnten Fahrwasser sind die roten und grünen Tonnen nur so weit zu sehen, dass wenigstens die Richtung bis zur übernächsten Tonne erkennbar ist. Kurz vor Stahlbrode zieht sich der Himmel dunkel zusammen, es sieht aus, als käme Nebel auf. Wir wollten heute sowieso nur bis hierhin, nicht stundenlang motoren. Also Abbieger zum Hafen, die Fähre noch abwarten, die hier das Festland mit Rügen verbindet, dann sind wir im Hafen fest um 11.00 h. Der Duft von frisch geräuchertem Fisch dringt in die Nase = Heilbutt + Lachs, dazu die gestern auf dem Markt gekauften Spreewälder Gurken, ergeben ein leckeres "Frühstück". Der Himmel klart wieder auf, es ist wieder warm, doch es bilden sich neue dicke Quellwolken. Diese Front löst sich dann wieder auf, um dann am Nachmittag einen neuen Anlauf zu nehmen: Nun bleibt es bedeckt, der Wind hat sehr aufgefrischt und weht aus Ost. Im Radio werden Unwetterwarnungen für Mecklenburg-Vorpommern gegeben mit Gewitterböen bis zu 100 km/h und   s e h r  kräftigen Regen- und Hagelschauern. 10,3 sm






27.05.

Wir stehen früh auf, um die Seewetterberichte anzuhören. Was sich gestern Abend erahnen ließ, ist jetzt eingetroffen. "....NO 4-5 Bft, zunehmend 5-6 Bft, später SO drehend, Gewitterböen bis Stärke 8 Bft, diesige Sicht....." : Alles, was wir nicht gebrauchen können! Draußen ist es fast neblig, der Fähranleger ist kaum zu sehen; es pfeift, dann fängt es an zu regnen. Wir beschließen, nicht auszulaufen und legen uns wieder in die Koje. Später hat sich noch nichts geändert; über Funk hören wir, dass auf See dicker Seenebel ist. Die Wetterprognose für Pfingstmontag spricht von abnehmenden Winden, auf SW drehend, nachmittags wieder Bewölkungs- und Windzunahme aus NO und Gewittermöglichkeit. Wir sind bisher vom Gewitter verschont geblieben, doch in Berlin war 4 Stunden Ausnahmezustand wg. Unwetter! Für heute sind weitere Gewitter angesagt, mal sehen, ob wir wieder Glück haben.

28.05.

Start um 8.25 h bei spiegelglatter See und bewölktem Himmel. Wir haben jedoch Glück,dass wir nicht den angesagten Frühnebel haben. Für "später" ist NO zunehmend 5-6 Bft angesagt. Die Flaute bleibt, wir motoren im betonnten Fahrwasser des Strelasundes bis zum Greifswalder Bodden, dann ostwärts zur Ansteuerung des Fahrwassers der Peene, zwischen Festland und Usedom; der Himmel klart auf. Kurz vor der Ansteuerungstonne zeigt sich auf unserem Meilenzähler die Schnapszahl 11.999 sm, bei der roten Tonne dann sind 12.000 sm erreicht: Prost! ( den Schnaps werden wir jedoch im Hafen trinken ). Um 10.43 h runden wir die Tonne und motoren jetzt bei Sonnenschein - auf der linken Seite Usedom - zwischen den roten und grünen Tonnen die Peene hinauf, um bei Kröslin zur Marina abzubiegen. Rechts und links wird das Fahrwasser von Schilf begrenzt, dann öffnet sich seeartig eine Bucht, in der der Hafen liegt. Fest am Steg mit Auslegern um 11.50 h. Kröslin ist eine relativ neue Marina und bietet alles, was Segler brauchen . Wir nutzen das Waschcenter, um Wäsche zu waschen. Alle Gebäude sind außen mit Naturholz verblendet, am Kai stehen etliche Palmenkübel und vermitteln - jetzt im Sonnenschein - ein mediterranes Flair. Am frühen Nachmittag zieht über Usedom eine Seenebelfront hoch, die langsam zu uns herüber zieht und sehr kühle Luft und Wind mitbringt. Der Nebel wälzt sich dann bis auf das Wasser hinunter und hüllt den Hafen ein. Der nächste Steg ist fast nicht mehr zu sehen! Schön, dass wir schon hier sind. Der Seewetterbericht gibt eine Windwarnung für die Region östlich Rügen heraus: NO 6 Bft, dabei Gewitterböen bis 9 Bft! Abends fängt es an zu regnen, der Nebel wird damit "weggespült", die Palmen sehen jetzt gar nicht mehr so fröhlich aus.....                                                                                                                 21,5 sm  





29.05.

Nachts hat es gewittert und geregnet, morgens: Nebel! Dieser löst sich erst am späteren Vormittag auf, um einen grauen düsteren Himmel zu zeigen. Gewitter mit Böen bis 8 Bft sind auch wieder angesagt, der Wind ist jetzt schon unangenehm und kalt. Wir beschließen, hierzubleiben. Da es jedoch trocken ist, gehen wir in den Ort Kröslin und schauen uns auch die Gegend an. Viele Häuser sind auch hier renoviert, jedoch gibt es auch noch einige im typischen "DDR-Grau", sowie einzelne, die verfallen und auch schon teilweise eingestürzt sind. Aus dem Rahmen fällt jedoch ein Haus, das sich an der klassizistischen Bauweise orientiert = passt überhaupt nicht in diese dörfliche Gegend! Unsere Runde ist gerade beendet, als ein Donnerschlag den Regen startet; wir erreichen gerade noch rechtzeitig unser Schiff, bevor es richtig losgeht. Unser Abendessen müssen wir bei Licht einnehmen, weil ein heftiges Gewitter aufkommt mit sehr kräftigen Regenschauern. Da es zwischen Küste und Land hin und her wandert, dauert es fast zwei Stunden, bis der Lärm aufhört. Danach ist nur noch Regen.





 
 

30.05.

Leinen los um 11.25 h, Wind W 4 Bft, Böen 5 Bft, grauer Himmel, jedoch trocken. Wr wollen heute nur bis Wolgast segeln, dabei die Klappbrücken-Öffnung um 12.45 h "abhaken". Nur mit Vorsegel ziehen wir durchs Fahrwasser, rechts und links schilfgesäumtes Ufer. Viele Vögel sind zu sehen, darunter Raubvögel und Reiherarten, die sich in dieser ruhigen und feuchten Landschaft vermutlich sehr wohl fühlen. Kurz vor der Brücke rollen wir das Segel ein und starten den Motor, Die Wartezeit ist kurz, mit zwei anderen Schiffen passieren wir die Druchfahrt um 12.55 h, von Süden sind einige mehr unterwegs. Gleich hinter der Brücke biegen wir in den Stadthafen von Wolgast ein, fest um 13.05 h, längsseits am Kai. Weil es hier einen "Aldi" gibt, geht Harald erst mal los mit dem großen Sack Leergut auf dem Hackenporsche, um zu "tauschen". Danach erkunden wir die Stadt, die ihr 750. Jubiläum feiert. Schon sehr früh wurde von Wolgast nach Usedom eine Brücke gebaut, deshalb nennt sich die Stadt auch "Tor nach Usedom". In der historischen Altstadt findet z.Z. abends eine Freiluft-Theatervorstellung aus dem Mittelalter statt. Durch kleine Straßen, eine entlang der alten Stadtmauer, erreicht man schnell die Wasserseite hinter der Schloßinsel und blickt über mit Schilf gesäumte Ufer in die grüne Landschaft Vorpommerns. Zwischen Schloßinsel und Festland ist auch ein kleiner Museumshafen. Die Liegegebühren sind auch sehr interessant: pro Meter Schiffslänge 0,80 Euro + je Person 0,50 Euro; Wasser gibt es nicht am Kai, Strom erhält man über einen Automaten, in den man 50- Cent- stücke ( für 1KW ) einwirft: wer viel Strom benötigt, zahlt entsprechend...- wir verbrauchten hier 1,50 Euro.                                                                     7,2 sm





31.05.

Start um 10.25 h: heiterer Himmel, spiegelglatte See. Der Motor bleibt an, denn es ist später höchstens etwas gekräuseltes Wasser, dann auch noch meistens mit "Wind" gegenan. Sehr hübsche grüne Landschaft entlang des betonnten Fahrwassers. Mitunter weiten sich die Ufer aus, doch die große Wasserfläche täuscht: es ist fast immer nur sehr flaches Wasser, deshalb auch undurchsichtig braun, weil der Grund immer wieder aufgewühlt wird. Im südlichen Peenestrom beträgt die Fahrrinne überwiegend 2,5 m Solltiefe, also nichts für Schiffe mit großem Tiefgang. Wir nähern uns der zweiten Klappbrücke des Peenestroms: Zecherin. Nächste Brückenöffnung ist um 16.35 h, jetzt ist es kurz vor 14.00 Uhr! Vor der Brücke legen wir uns an einen einzelnen Wartepoller; Maschine aus: Vogelgezwitscher. Wenn nicht die Autos auf der Brücke wären, die von und nach Usedom wollen, käme man sich vor wie am Ende der Welt: nichts los! Bis zur Brückenöffnung sind dann auf der anderen ( Süd-) -Seite insgesamt sieben Segelboote, die zuerst passieren dürfen, auf unserer ( Nord- ) Seite nur insgesamt zwei. Inzwischen hat sich der Himmel bedeckt und es weht genau von vorne ein kühler Wind: wir motoren weiter, vorbei an der zerstörten ehemaligen Hubbrücke bei Karnin, die zur Erinnerung im Wasser stehen geblieben ist. Wir sind jetzt im "Kleinen Haff" und laufen nach Ende des betonnten Fahrwassers den Hafen Mönkebude an. Fest um 18.25 h. Der Himmel lockert wieder etwas auf. Dieser (Fischer-) Ort ist sogar schon 763 Jahre alt, inzwischen "aufgestiegen" zum staatlich anerkannten Erholungsort: Gleich neben dem Hafen ist ein schöner Badestrand, es gibt viele Freizeitangebote in / mit der Natur, Ferienbungalows, einen speziellen Platz unter Bäumen für Wohnmobile. Mit unserer Liegegebühr ist deshalb statt der "Personenabgabe" eine Kurtaxe von 0,50 Euro p.P.( weil Rentner, sonst 1.-Euro p.P. ) zu zahlen ( in Warnemünde zahlten wir sogar 2,50 Euro p.P. )

                                                                                                                                                 26,4 sm




1.06.

10.00 h Leinen los, um an die Tankstelle zu fahren, damit Diesel und Wassertanks aufgefüllt werden können. Dann starten wir endgültig um 10.30 h und motoren gen Osten im Stettiner Haff. Sonnenschein, heiterer Himmel, kein Wind. Um 12.22 h fahren wir über die polnische Grenze, die mit gelben Tonnen bezeichnet ist. Wir hissen den polnischen Gaststander und fahren das polnische Zollboot an, das hier liegt. Wir bereiten Fender und Leinen zum Anlegen vor, doch wir müssen nicht an dem Schiff festmachen, wie uns der Zöllner auf deutsch zuruft: er notiert sich nur unseren Schiffsnamen, wieviele Personen an Bord sind und fragt nach dem Zielhafen. Das ging ja schnell! Wir motoren weiter zum Fahrwasser nach Stettin, allmählich kommt Wind auf, der rasch auf NE 4-5 Bgt zunimmt. Motor aus; nur mit Genoa segeln wir unserem Ziel entgegen: die Ansteuerungstonne von der Rinne nach Trzebiez ( Ziegenort). Dabei müssen wir gut Ausschau nach den zahlreichen Stellnetzen halten, die hier bis dicht an die Fahrwasser reichen. Inzwischen haben wir 5 Bft, und das sehr flache Wasser neben der Rinne wird heftig aufgewühlt und bricht sich stark am Ufer. Als wir die Hafeneinfahrt fast erreicht haben, kommt ein Küstenmotorschiff herausgefahren- Mist, natürlich an der engsten Stelle, bei diesem Seegang! Harald hatte gerade das Segel eingerollt, also Gas geben und Fahrt behalten. Im Hafen müssen wir zuerst die Kontrollstation anlaufen und einklarieren. Da wir momentan das einzige Schiff sind, geht es relativ zügig; die Beamten sind freundlich. Im eigentlichen Yachthafen ist es schwellig, deshalb fragen wir beim Hafenmeister nach, ob wir uns an diesen Kai - um die Ecke - legen dürfen. Nach unserem Hafenplan liegen hier eigentlich die Seenotrettungsboote, das SAR-Schiff sehen wir jedoch an einem anderen Platz liegen. Kein Problem, wir können anlegen: fest um 15.00 h, längsseits am Kai. Bald darauf kommen weitere Schiffe, vier Berliner Motorboote, ein Holländer, einige Polen ( denn das Wochenende beginnt ), die Liegeplätze sind schnell belegt. Zur Feier des Tages - das erstemal in Polen - gehen wir abends essen. Bei Fleisch und Fisch richtet sich der Preis nach Gewicht! Die Preisangabe in der Speisekarte ist auf 100 g bezogen. Na, da sind wir ja gespannt: wir erhalten üppige Portionen = Harald zwei große Zanderfilets, Heidrun reichlich gebratenen Aal, dazu jeweils Petersilienkartoffeln und Gemüse-/ Salatbeilage. Wir haben hierfür ca. 10,- bzw. 12,- Euro p.P. bezahlt und sind auf sehr angenehme Art jetzt "pappsatt" geworden. Da kann man nicht meckern.                                                                                                                    24,5 sm



2.06.

10.05 h abgelegt; bedeckter Himmel, trübe Luft, Wind NO 2-3 Bft. Wir nehmen die südliche Ausfahrt und folgen der Rinne bis zum Hauptfahrwasser. Der Motor bleibt an, damit wir ausreichend beweglich bleiben, wenn große Frachter kommen, andererseits nehmen wir auf dem Weg nach Süden auch die möglichen Nebenfahrwasser, um der Berufsschifffahrt aus dem Wege zu gehen, was auch bedeutet, dass dann die Segel in Landabdeckung wären. Die Landschaft hier neben der Oder ist auch sehr hübsch. Dieser Fluß ist -wie die Peene - noch natürlich gelassen, so dass die Ufer mit Schilf (z.T. davor gelb und weiß blühende Seerosen ), auch Bäumen und Büschen gesäumt sind. Die Frachter wirken in dem schmaler werdenden Wasserweg wie Fremdkörper. Kurz vor Stettin wird es neblig; einen Augenblick lang überlegen wir, ob wir weiterfahren sollen. Weil es jedoch nicht mehr weit ist, und sich der Dunst etwas lichtet, fahren wir vorsichtig an den großen Werften vorbei, in denen alle Docks und Liegeplätze belegt sind - kein Wunder, gehören diese Werften doch zu den viertgrößten der Welt! Im Stadthafen halten wir Ausschau nach der Steganlage für Yachten = Großsegler und etliche Fahrgastschiffe liegen am Kai, doch vom Stadthafen ist nichts zu sehen.....??! Unsere Hafenrundfahrt bringt auch kein anderes Ergebnis: der Hafen ist "weg"! Wir drehen und laufen das Gebäude des Hafenmeisters an, um nachzufragen. Harald erhält keine erklärende Antwort, sondern gleich den Hinweis, in eine andere Marina zu laufen, da ein Liegeplatz hier nicht sicher sei..... (??). O.k., wir legen wieder ab und laufen zurück; es ist sehr kühl und ungemütlich - inzwischen haben wir westliche Winde - wieder vorbei an den Werften, da wir auf der Herfahrt am Westufer der Oder eine Marina gesehen haben, ca 2,5 sm entfernt. In die anderen Häfen Stettins, die etwas abseits liegen, wollen wir nicht. Die Marina Goclaw ist nett gelegen und beim Nachlesen in den Unterlagen erfahren wir, dass es eine Straßenbahnlinie nach Stettin gibt. Also rein; fest um 14.07 h, an einer Heckboje. Morgen ist Stadtbesichtigung angesagt.                                                                         19,7 sm




3.06.

Die Endstation der Straßenbahn ist ca. 100 m entfernt und für 2,20 Zloty ( ca. 0,70 Euro ) p.P. fahren wir in 20 Minuten bis zur Hakenterrasse in Stettin. In der Touristeninformation erwerben wir einen ausführlichen Stadtplan zur Besichtigung der historischen Bauwerke; sehr touristenfreundlich: auf den entsprechenden Wegen und Straßen sind rote Markierungen, denen man nur zu folgen braucht, und im Stadtplan kann man bei den einzelnen Punkten die genaue Beschreibung und Geschichte nachlesen. Bis zum zweiten Weltkrieg war die Stadt deutsch. Die Deutschen wurden vertrieben, in ihre Häuser folgten die - ebenfalls vertriebenen - Polen. Die sehenswerten Baudenkmäler konzentrieren sich im ehemaligen mittelalterlichen Stadtbereich, nicht so kompakt wie z.B. in Stralsund, so dass diese Besichtigung ca. 2-3 Stunden zu Fuß dauert. Das Schloß, die Kirchen und Palais sind überwiegend schon restauriert bzw. "in Arbeit". U.a. ist hier 'mal ein ganz anderes Berliner Tor zu sehen ( s. Bild ): erbaut in den Jahren 1724 - 40, reich geschmückte Giebel mit Wappen der Länder des preußischen Staates. In der Jakobikirche - Erzbischofsbasilika - "mußten" wir uns auf den Stuhl setzen, in dem der Papst Johannes Paul II bei einem Polenbesuch gesessen hat = der Kirchenangestellte hat uns dann fotografiert, doch leider ist das Bild unscharf geworden. Die Stadtbesichtigung ist wirklich interessant; schade nur,dass der optische Eindruck etwas "heruntergezogen" wird, weil die "normalen" Häuser ungepflegt und z.T. sehr schadhaft sind. Oft ist sogar großflächig der Putz abgefallen, viele Fenster sehen marode aus, vom fehlenden Farbanstrich ganz zu schweigen. Vermutlich sind jedoch die Mieten so günstig, dass daraus keine Instandsetzung der Häuser finanziert werden kann. Wirklich schade, denn es sind so viele alte schöne Häuser darunter, die wunderbar aussehen könnten...... Mit der Straßenbahn fahren wir wieder zurück in unsere bewachte Marina und pflegen unsere "rundgelaufenen" Füße .






4.06.

Leinen los um 7.50 h, bedeckter Himmel, trübe, nördliche Flaute. Wir motoren die Strecke wieder zurück gen Norden, dann an Ziegenort vorbei, dem Fahrwasser folgend nach Swinemünde. Um 11.25 h erreichen wir die Einfahrt Kaiserfahrt ( Kanal ), kurz vorher ist etwas Wind aus NO aufgekommen, der jetzt nur unangenehm kalt ist. Der befestigte Kanal wird abgelöst vom hier zustoßenden Verlauf der Swine, die Ufer sind wieder natürlich. Um 12.45 h fest in der Marina Swinemünde.Nach ungefähr einer Stunde frischt der Wind auf, der Wetterbericht hatte eigentlich NO 4 Bft für heute angesagt.

                                                                                                                                                    31,9 sm



5.06.

Es tutet so regelmäßig: Nebel ! Dann regnet es auch noch: also weiterschlafen. Wir wollen heute sowieso hierbleiben, um uns umzusehen und, besonders, auch die "Polenmärkte" besuchen. Nach dem Frühstück sieht es zuerst so aus, als ob der Himmel heller würde, doch als wir losgehen wollen,fängt der Regen wieder an. O.k., dann eben den Regenschirm aufspannen, sonst kommen wir nie los. Nach ca. 600 m sind wir in der Stadt, wo es noch viele Einzelhandelsgeschäfte gibt und das Stadtbild nicht uniform von den immer gleichen Handelsketten geprägt ist wie anderswo. Die Häuser sehen "normal" aus, jedoch kein Wunder: Im März 1945 wurde die mit ostpreußischen und pommerschen Flüchtlingen überfüllte Stadt von den Alliierten zerbomt, wobei innerhalb einer Stunde 20.000 Menschen getötet worden sind ( heute ca. 44.000 Einwohner ) ; die Altstadt war dem Erdboden gleichgemacht worden und alles mußte neu aufgebaut werden. Der Hafen ist gut ausgelastet, es gibt von hier Fährverbindungen nach Kopenhagen, Bornholm und Ystad (Schweden ). Wir marschieren weiter zur Straße Richtung deutscher Grenze. Es gießt in Strömen! Dann erreichen wir die aneinander gereihten Verkaufsbuden. Es gibt hier fast alles zu kaufen, bezahlt wird in Euro! Kleidung für jeden Geschmack, Kristallwaren, Tischdecken, Handtücher, Hausrat, Schuhe, polnische Wurst- und Fleischwaren, geräucherte Fische, Korbwaren, Parfum und natürlich Zigaretten. Außerdem sind auch einige Direktverkäufer landwirtschaftlicher Erzeugnisse: Gemüse ( aus dem eigenen Garten? ), Kirschen, Erdbeeren, Spargel usw.. Hier haben wir günstig Erdbeeren gekauft und quietsch-frischen Spargel ( das Abendessen war ein Hochgenuß! ). Swinemünde reiht sich ein in die Kette der bekannten Seebäder auf Usedom; z.B. Ahlbek ist gleich hinter der deutschen Grenze und die ganze Küste hier hat schöne Strände aufzuweisen. Außerdem gehört Usedom zu der sonnenreichsten Gegend ( sagt man, wir können derzeit jedoch leider nicht mitreden ...). Am Spätnachmittag jedoch hört der Regen endlich auf und - wie zur Versöhnung - blinzeln noch einige Sonnenstrahlen zum Tagesabschluß.







 

6.06.

10.30 h, Schiff klar zum Ablegen; Harald stellt den GPS an: Meldung "...empfängt keine Daten..." Harald flucht wie ein Rohrspatz vor sich hin, stellt das Gerät einigemale aus, dann wieder an = nichts. Die Antenne sieht aus, wie immer. Also Werkzeug auspacken, die Verblendung abschrauben und die Kabel und den GPS herausholen, Strom messen, usw. ... Nichts festzustellen. Frage beim Hafenmeister, der daraufhin herumtelefoniert, ob eine entsprechende Firma am Ort ist: negativ. Nicht zu glauben, wo hier ein so großer Hafen ist und reichlich Schiffe und auch Werften. Also schwingt sich Harald aufs Fahrrad und radelt die entsprechenden Branchen-Firmen persönlich ab = erfolglos. Das dauert natürlich alles längere Zeit. Geknickt kommt er wieder zurück. Letzte Möglichkeit: Im Marina-Bistro steht ein Computer, in dem jeder 'mal ins Internet gucken darf; daneben steht eine Spardose, in die man einen Obulus einwirft. Harald sucht sich die Telefonnummer der Schleswiger Firma, bei der wir die GPS-Antenne vor einigen Jahren gekauft hatten, heraus, um dann dort telefonisch um Hilfe zu bitten. Nach einem längeren Telefonat mit verschiedenen Technikern erhält er den entscheidenden Tipp: Antenne nochmals abbauen, Strom an der angegebenen Stelle messen: hier ist kein Strom. Aha, das ist es = Kabel gebrochen. Nun kann gezielt repariert werden und endlich ist dann alles in Ordnung!! Inzwischen ist es früher Nachmittag; wir bleiben im Hafen und können jetzt die schönen Sonnenstrahlen genießen, die wir vorher nur "nebenbei" registriert haben. Den aufgefrischten Wind hätten wir draußen jetzt genau "auf die Nase".






 

7.06.

9.35 h Leinen los, Sonne, NO 2 Bft ( Abdeckung ); wir motoren aus der Marina ins Fahrwasser Richtung Ostsee. Wir schenken der Grenzkontrolle keine Beachtung: das war falsch! = Wir werden über Lautsprecher angetutet und aufgefordert, anzuhalten. Also Leinen und Fender klarmachen, anlegen, Ausweise und Einklarierung zeigen, Standpauke abholen ( der Beamte kann ja nicht wissen, dass wir in Polen bleiben, wenn wir ihm das nicht sagen... , denn westlich von Swinemünde ist ja Deutschland ). O.k., wir sind zerknirscht und dürfen dann weiter. Noch im Hafengebiet setzen wir das Groß, dann 'raus auf die freie See: herrlich, dieser weite Blick über das Wasser und westlich die Nordküste Usedoms mit den Seebädern. Motor aus, Genoa ausgerollt, Wind NO-O 4 Bft, diese Richtung ist nicht gerade ideal. Mit zwei Kreuzschlägen segeln wir die Küste von Wollin entlang im Sonnenschein, der Wind ist jedoch kühl und nimmt etwas zu. Über Land bilden sich Gewitterwolken, die sich schnell verdichten und verdunkeln. Also schnell Ölzeug anziehen, der Himmel ist jetzt bedrohlich; es donnert. Alle Segel 'runter ( da für Gewitter kräftige Böenwarnungen angesagt worden sind ), Motor an ( damit "ersparen" wir uns den dritten Kreuzschlag ), die Böen pfeifen über das Wasser. Wir sind schon dicht an unserem heutigen Zielhafen Dziwnów und können bald die Hafeneinfahrt anpeilen. 15.25 h legen wir am Kontrollpunkt an , ist auch zugleich der Hafenmeister , der uns auch schon einen Liegeplatz im Fischerhafen zuweist. 15.42 h liegen wir längsseits fest an einem deutschen Segler, der auch in der Marina Swinemünde gelegen hatte. Ein paar Regentropfen fallen, dann noch einige Böen, allmählich verzieht sich das Gewitter und die Sonne kommt wieder. Des Skippers erster Erkundungsgang beschert der Besatzung einen Spankorb voller Erdbeeren, die gerade, frisch gepflückt, in einem Geschäft angeliefert worden sind ( 13 Zloty - ca.3,80 Euro ). 28 sm







8.06.

9.oo h Leinen los, nachdem wir uns beim Hafenmeister abgemeldet haben; Sonnenschein, blauer Himmel, Wind anfangs NO 3 Bft, dann 4 Bft. Wir kreuzen wieder durch die See. Die Küste ist grün bewachsen, viele Bäume und am Wasser immer breite Sandstreifen; wenig besiedelt. Am Spätnachmittag läßt der Wind nach, die noch vorhandenen Wellen bremsen nur, deshalb motoren wir die letzte Stunde bis zum Hafen KoĊ‚obrzeg ( Kolberg ). Fest im Stadthafen um 18.10 h mit Heckboje. Weil heute Freitag ist, ist schon etwas Trubel im Hafen. Einige polnische Motorboote legen noch an, in unserer Nähe wird im Lokal Live-Musik dargeboten, wohin etlich Leute strömen. Nachdem wir unser Essen vertilgt haben, schlaffen wir total ab: kein Rundgang mehr, sondern Füße hochlegen bzw. früh in die Koje gehen. Den ganzen Tag immer hart am ( sehr kalten ) Wind bei Wellengang fordert Tribut. Gute Nacht!                                                                                      44,7 sm

 




9.06.

9.00 h ablegen, um uns am Kontrollpunkt abzumelden ( irgendwie nervt das...), dann 9.15 h endgültig los. Bestes Wetter, Wind NO - O ( was sonst ?!! ), 3 Bft. Also wieder die Küste aufkreuzen, die, bis auf kurze Unterbrechungen, ein einziger Strand zu sein scheint. Trotz herrlichen Sonnenscheins haben wir dicke Jacken an, da der Wind s...kalt ist. Gegen 16.00 h frischt der Wind auf 4-5 Bft auf, kurzzeitig eher 5 Bft, die Genoa wird etwas gerefft, dann wieder ausgerollt, als die Böen nachlassen. Wir haben unsere Position zu Anpeilung der schmalen Hafeneinfahrt von Darlowo ( Rügenwalde ) erreicht und können jetzt mit einem Schrick in den Segeln darauf zurauschen. Kurz davor Segel runter und Motor an, da diverse kleinere Motorboote und auch ein großes Vikingerschiff mit Tagesausflüglern auch in den Hafen will. Fast den ganzen Tag sieht man kein anderes Schiff, jetzt wimmelt es hier im "Flaschenhals" des Hafens, der auch wieder eine "ausgebaute" Flußmündung ist. Gleich nach der Einfahrt ist wieder der Kontrollpunkt zum Anmelden und zugleich die Wartepier zur Brückenöffnung, die immer zur vollen Stunde öffnet; jetzt ist es 18.10 h ! Sehr praktisch, dass hier gleich nebenan auch ein Geschäft ist, in dem wir u.a. frisches Brot zum Frühstück kaufen können. Es wimmelt hier von Wochenendgästen, die jetzt ihre Abendrunden drehen oder in die Lokale zum Essen gehen. Ein richtiger Urlaubsort. Um 19.00 h passieren wir die Rollbrücke und legen gleich dahinter, an der Ostseite, an der Pier an, die für Yachten vorgesehen ist. Weil der Hafenmeister erst wieder am Montag da sein wird, ist der Liegeplatz inclusive Strom heute kostenlos.  Danke . An dieser Pier liegen insgesamt drei deutsche Segelboote; also ein lohnendes Hintergrund- Objekt zum Fotografieren: Man stellt sich gerne davor und läßt sich ablichten; Kinder begeistern sich dabei an unserem Raben.                                                                                                                        44,7 sm

 






10.06.

8.50 h ablegen, um die Brückenöffnung um 9.00 h wahrzunehmen. Gleich dahinter kommt der Grenzposten an die Pier, wir müssen nicht anlegen, sondern nur zurufen: 2 Personen, nächster Hafen.... ( Ustka ). Sperrgebiete, die man eigentlich umfahren muß. Dabei kommt man zwangsläufig außerhalb der 12-Meilen-Zohne Polens und müßte dann im nächsten Hafen wieder offiziell einklarieren. Dieser Weg ist ca. 56 sm lang. Nur Sonn- und Feiertags ( zeitweise auch am Montag ) darf man direkt durchfahren = dieser Weg ist dann nur ca. 20 sm lang! Deshalb haben wir unsere Route auch so geplant, dass wir die kurze Strecke nutzen können. Die Meeresoberfläche ist fast glatt, doch darüber Wind, N 3 Bft, also haben wir am Wind schöne Fahrt im Schiff, da keine Welle bremst. Dann kommen wir in Flautenlöcher, kurz motort, wieder gesegelt, später ist der Wind ganz weg. Weil der Weg heute nicht so weit ist, motoren wir noch eineinhalb Stunden bis zum Hafen und genießen dabei die schöne warme Sonne. Wieder eine sehr schmale Hafeneinfahrt; die Anmeldung beim Kontrollpunkt darf wieder auf Zuruf geschehen ( wieviele Personen, letzter Hafen? ) und es wird gleich gesagt, wo wir liegen sollen. Fest im Hafen Ustka ( Stolpmünde ) an der Ostpier um 13.45 h. Nach uns läuft noch ein deutscher Segler ein, der angewiesen wird, bei uns längsseits festzumachen. Der Hafenmeister hatte gleich gesagt, dass wir keine Liegegebühr bezahlen müssen, allerdings gäbe es auch keinen Strom. Da in der Nähe ein Stromkasten ist, aus dem Steckdosen heraushängen - allerdings mit einem anderen System - läßt Harald dies keine Ruhe. Im Ort sind die Geschäfte trotz Sonntag überwiegend geöffnet, so dass er einen Verlängerungsstecker kaufen kann, der dann an eines unserer Kabel montiert wird; danach geprüft: Geht, und Strom ist auch da! Wie schön, damit sind wir am Komfort angeschlossen. Unser Nachbar profitiert davon und klinkt sich bei uns ein. Dann haben wir Zeit zur Ortsbegehung. Nettes Städtchen, sehr beliebtes polnisches Seebad und Kurort wegen der sauberen Strände und des Heilschlamms. Im Hafen liegt wieder ein Wikingerschiff, das immer wieder mit neuen Fahrgästen auf See Runden dreht. Diese Schiffe scheinen an dieser Küste der Hit zu sein, es ist bereits das dritte seiner Art, das wir sehen. Ustka ist eine echte alte Seefahrerstadt, gehörte früher zur Hanse, heute liegen hier noch viele große Fischerboote. Wir reihen uns in die Menschenmenge ein, die zur Mole spaziert oder auch auf der Promenade, die parallel zum feinsandigen Strand verläuft. Hier sind schön gepflasterte Wege, Restaurant, Eis- und Waffelbuden, für Kinder gibt es diverse Spiel- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Auffallend ist, dass hier auch sehr viele junge Leute und junge Familien sind. Das Essen lassen wir uns heute kochen: In einem der Lokale am Hafen essen wir guten Fisch ( Preisangabe wieder pro 100 g / Sorte ) und haben einen schönen Blick auf das Treiben rundum; dazu gibt es Musik durch am Kai aufgestellte Boxen, abwechselnd live und "Konserve". Wir fühlen uns wie im Urlaub....                                                                                          23,7 sm





11.06.

9.10 h Leinen los. Vorher hat Harald noch den Strom beim Hafenmeister bezahlt, weil wir am späten Vorabend darauf angesprochen worden sind, da das Stromkabel ja unübersehbar ist. Wir wollen den Strom ja auch nicht umsonst, wir sind ja froh, dass wir überhaupt Strom haben! Bei diesem Gang hat Harald uns gleich abgemeldet, so dass wir nun direkt auslaufen können, Sonniges Wetter, für heute wurden umlaufende Winde 2-3 Bft angesagt = die haben wir auch. Die Segel werden 'mal dichtgeholt, gefiert, Genoa ausgebaumt, geshiftet usw....aber: wir können erstmalig mit kurzen Hosen ohne Jacke segeln!  Beim Leuchtturm Czolpino verändert sich die Küste: sie wird "sandiger" = Dünenlandschaften, z.T. recht hoch mit Abbruchkanten, dann wieder flacher. Auch hohe Dünenberge hinter den Wäldchen tauchen dann auf, bis wir dann auch von See schon die Attraktion von Leba sehen können: die große Wanderdüne = als einzige strahlt sie ganz hell ( weil nicht bewachsen ) und wir können kleine "Pünktchen" sich darauf bewegen sehen. Na ja, morgen sind wir auch ein "Pünktchen". Weil inzwischen der Wind ganz weggeblieben ist, motoren wir daran vorbei. Um 15.30 h haben wir die beiden Molenköpfe der Einfahrt zum Hafen in der richtigen Einlaufposition und sind um 15.30 h in der sehr schmalen Einfahrt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Echolot, denn wegen des vielen Sands rundum besteht hier Versandung, so dass man genau in der Mitte fahren muß, die immer wieder ausgebaggert wird. Am Kontrollpunkt steht schon der Beamte und wir dürfen unsere Angaben "... 2 Personen, letzter Hafen Ustka..." wieder zurufen. Kurz danach ist die Einfahrt in die Marina von Leba. Fest um 15.40 h am Gästesteg mit Auslegern. Strom und Wasser auf dem Steg = Komfort! Wir bezahlen gleich für morgen mit, denn wir wollen ja zur Wanderdüne. Heute wird noch gleich eine Ladung Schmutzwäsche in die Waschmaschine gepacktg, ein Service-Mann ist bei den Maschinen, d.h. er packt die Wäsche nach dem Waschen auch in den Trockner, die wir dann zum errechneten Zeitraum abholen können = bereits ordentlich gestapelt.   28,8 sm 

 







12.06.

Ein herrlicher Sommertag! Ausschlafen und etwas später frühstücken ist auch mal wieder schön, dazu eine langsamere Gangart beim morgendlichen Ablauf. Dann sind wir endlich soweit und machen uns auf den Weg zur Wanderdüne, die ca. 8 km entfernt ist. Anhand des gestern ausgehändigten Stadt- / Umgebungsplans marschieren wir die Straße entlang Richtung Nationalpark. Am Ortsausgang das Hinweisschild: 1,5 km bis zum Eingang des Nationalparks Slowinski. In herrlich würziger Waldluft gehen wir auf der asphaltierten Straße. Nach Entrichtung des Eintrittsgeldes ( 4 Zloty p.P. = ca. 1,60 Euro ) gönnen wir uns die Fahrt der folgenden 6,5 km mit dem Elektro-Wagen. Am Ziel angekommen, stehen wir vor den ersten höheren Dünen. Schuhe ausziehen, denn nun wird es sandig. Bei der ersten Düne kann man noch erkennen, dass sie die hier stehenden Bäume einhüllt bzw. erstickt. Dann geht es steil bergauf auf die weiße Sanddüne, ca. 42 Meter hoch. Sehr schwierig, da dieses Bergaufgehen im feinen Sand sehr mühevoll ist. Als wir endlich den Kamm erreicht haben, pfeift der Wind hier oben und der Standsturm ist ungefähr 50 cm hoch. Der Blick über diese Dünen ist beeindruckend! Zum Teil steile Abhänge; es erinnert an Schneehänge. Etliche Schulklassen sind hier und die Kinder versuchen, den Sandabhang hinunter zu rutschen. Andere Kinder quieken, weil der gepeitschte Sand wie Nadelstiche auf die Haut piekst. Ist man im Windschatten, weil tiefer, knallt die Sonne heiß auf die Haut. Diese Wanderdüne bewegt sich bis zu 10 Metern pro Jahr und deckt gnadenlos alles zu, was sich in der Zugbahn befindet. Mit dem Elektroauto fahren wir wieder zurück zum Eingang, gehen danach noch an den dahinter liegenden großen See, der früher eine Meeresbucht gewesen ist, dann jedoch von den sich bildenden Dünen von der Ostsee abgeschnitten worden ist und zum See "mutierte". Mit dem Kleinbus fahren wir zurück in den Ort und spazieren durch einige Straßen. Leba ist ein sehr alter Fischerort; auch heute sind noch relativ viele Fischkutter zu sehen. Der Ort selbst wirkt freundlich, überwiegend niedrige Häuser, viele im alten Stil bzw. neu gebaute Häuser wurden architektonisch angepaßt.









13.06.

Weil wir heute auch noch hierbleiben wollen, ist wieder langsameres Aufstehen und Frühstück möglich. Wir sind gerade bei der letzten Tasse Kaffee, als kurz vor 10.00 h die Segelyacht "Crescendo" mit unseren Freunden Renate und Uwe einläuft; große Freude! Unterwegs haben wir einigemale per SMS unsere Standorte ausgetauscht, zuletzt, dass wir hier in Leba 2-3 Tage bleiben wollen. Die Beiden sind dann von Darlowo hierher in einem Stück - überwiegend nachts wg. des Sperrgebietes, durch das man zwischen 2.00 - 5.00 h durchsegeln durfte - die 51 sm durchgesegelt. Bis das Schiff nach dem Anlegen in der Box neben uns aufgeklart ist, kocht Heidrun Kaffee und dann können wir erst mal klönen und gegenseitig berichten; danach nehmen die Beiden "eine Mütze Schlaf". Wir waschen wieder Wäsche und gehen endlich ins Internet; der Computer steht in einem Extraraum neben dem Hafenmeister ( 5 Zloty pro Stunde ). Abends gemütliches Beisammensein an Bord der "Viking".

 




14.06.

Das Wetter wird wieder neu gemischt: viel Wind ist im Anmarsch, dazwischen natürlich auch wieder auf Nordost drehend! Deshalb beschließen wir, das Wetter hier abzuwarten, denn der Hafen ist sehr geschützt, idyllisch gelegen und alles ist vorhanden, was ggfs. benötigt wird.


15.06.

Es stürmt und regnet fast den ganzen Tag: Zeit zum Lesen. Gestern Abend waren wir mit Renate und Uwe im Restaurant hier am Hafen zum Essen gegangen. Gute Küche und nettes Ambiente; die Gerichte diesmal ohne Gewichtsangabe = die Preise sind Endpreise ( für uns sehr günstig ). z.B. eine Gänsebrust mit Orangensauce, gegrilltem Obst und Gnocci für 20 Zloty (ca. 5,80 Euro ! ). Danach Klönschnack an Bord der "Crescendo". Wir liegen hier wirklich gut geschützt in der Marina und sind froh, den einlaufenden Seegang und Schwell nicht in den offenen "Flußhäfen" an der Pier aushalten zu müssen; wg. des festen Kais zum Seekanal geht dies an uns hier vorbei.





16.06.

Sewetterbericht: "...der Wind aus NO mit 6 Bft dreht auf W-SW, zunehmend 6-7 Bft; vereinzelt Gewitterböen, See 2-3 m hoch!..." Wir gehören zu "vereinzelt" und haben am späten Vormittag Gewitter und Regen. Somit hat Heidrun Gelegenheit, im dicken Buch weiter zu lesen und Harald löst - oder versucht zu lösen - Sudoku. Abends gehen wir Vier zum "Frustessen" wieder in das Restaurant. Bei den Preisen für das leckere Essen ist es sooo verlockend, den eigenen Herd kalt zu lassen und den Abwasch zu ersparen....

17.06.

Leinen los um 10.00 h, auf die gegenüberliegende Seite zur Tankstelle fahren, um Diesel nachzufüllen. Der Hafenmeister kommt auch dazu und meldet uns telefonisch beim Kontrollpunkt ab. 10.15 h dann endgültig los: Sonnenschein, heiterer Himmel, Wind SW-W, noch 4-5 Bft, soll abflauen. Nach dem Segelsetzen baumen wir noch die Genoa aus und können schön segeln = bis 11.55 h, dann läßt der Wind nach; die Dünung bringt das Schiff ordentlich ins schaukeln und bremst dabei. Also Motor an und weiter. Um 15.10 h passieren wir Kap Rozewic, am Himmel bilden sich hohe Quellwolken, die sich verdichten und verdunkeln. Das Gewitter ist noch still, doch der Gewitterregen beginnt kurz vor der Einfahrt zum Hafen. Es schüttet wie aus Eimern, als wir in den großen Fischereihafen Wladislawowo einlaufen und in die Seglerecke fahren. Fest am Gästesteg um 16.00 h , mit Auslegern. Renate und Uwe sind kurz vorher eingelaufen und helfen beim Anlegen, da die Böen versuchen, das Schiff in der kurzen "Box" wegzudrücken. Als es aufhört zu regnen, gehen wir an Land, um uns einen Überblick des Ortes zu verschaffen. Da die Stadt im Krieg völlig zerstört worden ist, sind die Wohnhäuser neueren Ursprungs; viele große Mietshäuser im modernen Stil, jedoch oft farbig angestrichen, um eine freundliche Note einzubringen. Es ist Sonntagabend und viele Leute sind noch unterwegs; auffallend auch viele Kinder dabei = mehr als in Deutschland. Der Hunger treibt uns in ein Bistro; gerade rechtzeitig, denn nun kommt das Gewitter zurück mit dem vollen Programm: Donner, Blitze und wieder heftige Regenschauer. Als es endlich aufhört zu gießen, gehen wir direkt zum Schiff zurück; zwischendurch noch ein paar Tropfen von oben, doch der Weg ist nicht mehr weit. Zum Schluß bildet sich noch ein schöner Regenbogen und die Fischkutter sehen fast romantisch aus in diesem Licht.                                                                                     33,7 sm





 

18.06.

Start um 9.10 h, Sonnenschein, Wind um W, 3 Bft. Gleich östlich des Hafens beginnen zwei Sperrgebiete, die entlang der Halbinsel Hel verlaufen. Nur ein schmaler Korridor zwischen Küste und Sperrgebiet mit Wassertiefen von ca. 4-6 Metern ist passierbar. Der Hafenmeister bestätigt neueste Gerüchte, dass heute keine militärischen Aktionen stattfinden, so dass wir unbelastet segeln können. Die Halbinsel Hel ist sehr beliebt bei den polnischen Urlaubern wegen der schönen Sandstrände und der ruhigen Natur auf diesem schmalen Landstreifen.Der Wind läßt jedoch leider wieder nach ( warum können "die da oben" das nicht besser verteilen ? ) und die Diesel-Genoa ist wieder dran. Am Himmel bilden sich auch schon wieder Quellwolken und verdüstern sich. Wir umrunden die Landspitze von Hel und sind nun in der Danziger Bucht. Hier sind zwei Verkehrstrennungsgebiete, eines nach Gdynia, das andere nach Danzig, in denen strickt nach entsprechender Richtung gefahren werden muss. Wir queren zügig das erste um dann neben dem zweiten Fahrwasser Richtung Danzig zu laufen. Einige Frachter sind unterwegs, doch das hält sich in Grenzen. Der Himmel ist inzwischen ganz grau und bei diesem Tageslicht ist kaum zu erkennen, ob es mittags oder abends ist. 14.50 h biegen wir in das letzte Stück der betonnten Fahrrinne ein, vor uns ein großer Frachter, der kurz vorher den Lotsen aufgenommen hat. Und nun öffnet der Himmel seine Schleusen; wir haben gerade noch rechtzeitig das Ölzeug angezogen! Wir tuckern dem Frachter hinterher bis zum Kontrollpunkt, wo wir die gewünschten Angaben wieder im Vorbeifahren zurufen dürfen; der Frachter legt am Industrie-Kai an. Wir fahren am Denkmal auf der Westerplatte vorbei und Harald dippt unsere Nationalflagge. Gedenken an den Kriegsbeginn mit Polen. Weiter die Tote Weichsel hinauf, vorbei an der Weichselfestung, bis zum Abzweig in die Mottlau, die am weltberühmten Krantor fließt. Gegenüber ist die Einfahrt zur Marina Gdansk, in der wir nach diesen ca. 4 sm seit Hafeneinfahrt um 16.20 h am Schwimmsteg mit Auslegern festmachen. Die Regenpause ist vorbei, es gießt wieder und wir gehen erst 'mal unter Deck und klaren das Schiff auf. Heidrun ruft ihren Vater an, um ihm die Ankunft in Danzig mitzuteilen, denn dies ist seine Geburtsstadt, hier ist er aufgewachsen; auch der verstorbene Großvater wurde hier geboren. Morgen ist Stadtbesichtigung . 38,2 sm

 

19.06.

Wir verlassen unsere bewachte Marina und gehen über die Brücke der Mottlau in Richtung Altstadt, überqueren die zweite Brücke - Blick auf das Krantor - , gehen die "Lange Gasse" entlang, durch das "Grüne Tor" und erreichen den "Langen Markt" = Fußgängerzone. Mund und Augen stehen staunend offen über das Bild, das sich uns bietet: Rechts und links eine Häuserfront, die so schön ist, dass es fast den Atem verschlägt. Schmale ( jedoch tiefe ) Häuser reihen sich aneinander, sie sind - jedes für sich - ein Schmuckstück. Herrliche Bürgerhäuser aller Stilepochen, die fast im Wettstreit miteinander zu stehen scheinen. Nun wird offensichtlich, warum polnische Restauratoren Weltruhm genießen. Die Danziger Altstadt war nahezu vollständig nach dem Krieg zerstört und wurde dann nach alten Stichen, Fotografien und Plänen wieder aufgebaut. Wir haben alte Fotos gesehen, auf denen Danzig einem Schutthaufen glich - und nun diese prachtvollen Bauten! Wir müssen uns beherrschen, nicht j e d e s Haus zu fotografieren, obwohl es jedes verdient hätte: Stuckverzierungen, mit Motiven bemalte Häuser, aufgesetzte Figuren und Statuen, Goldverzierungen, Verwendung verschiedener Baumaterialien, um die Fassaden zu schmücken. Dazu ein buntes Treiben der zahlreichen Touristen entlang der ebenerdigen Geschäfte und Lokale, dazwischen Straßenverkäufer und Künstler. Auch das prunkvolle alte Rathaus mit seinem über 80 m hohen Turm und Ecktürmchen, der Neptunbrunnen, der Artushof, in dem seinerzeit die Kaufleute ihre Versammlungen oder andere gesellschaftlichen Veranstaltungen abhielten. Dann - parallel - die Frauengasse, ebenfalls mit prächtigen Häusern; auch die typischen Danzig-Häuser mit den terrassenförmigen Vorbauten - Beischläge genannt - , die ursprünglich die Funktion als Eingang in die zur Straße hin erweiterten Speicherkeller hatten. Als dies nicht mehr so wichtig war, dienten sie vor allem als Orte der Begegnung. Heute sind diese Vorbauten umgestaltet als Café oder Lokal oder umgewandelt, einschließlich Keller, als Geschäft oder Galerie. Die Marienkirche, größte erhaltene mittelalterliche Backsteinkirche der Welt, wurde erbaut von 1342 - 1502 n.Chr.. Innen strenge Architektur, beinahe schlicht, was vom weißen Anstrich unterstützt wird. Den Krieg hat nur der Hauptaltar überlebt und wenige Gemälde. Harald steigt zum Turm hinauf ( Heidrun mag keine enge Wendeltreppen ) und hält den wunderbaren Ausblick im Bild fest. Gegensätzlich ist die Nikolaikirche: üppiger Barock! Diese Kirche wurde im Krieg nicht zerstört und wir können diese Orgie aus Gold und Stuck nur bewundern. Auch Nebenstraßen und weiter entfernte Straßen weisen viele Häuser des alten Stils auf. Anders als in Stettin ist dies eine in sich geschlossene Stadt, die harmonisch und positiv wirkt. Sie strahlt Würde und Stolz aus. 1997 feierte Danzig sein 1000-jähriges Jubiläum, war früher eine "freie Stadt" ( unterstand nur dem König ) und hat die Meereslage genutzt, Handel zu betreiben und Kontakt mit anderen Staaten zu knüpfen. Wir sind beeindruckt und begeistert. Ein Besuch dieser Stadt ist wirklich empfehlenswert! Auch das Personal in Geschäften und Restaurants ist freundlich und entgegenkommend; oft können wir uns auf deutsch bzw. englisch verständigen. Viele Touristen - vor allem die Älteren - sind "Ehemalige" ( Deutsche ) dieser Region, wie wir aus Kommentaren und Gesprächen entnehmen, und bestaunen ebenfalls den Wiederaufbau; jedoch sind auch viele Polen und andere Nationen hier: überall sind die typischen Gruppen mit Reiseführern unterwegs und bringen zusätzliches Leben in diese Stadt.






 

20.06.

Heute sind wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Da wir uns gestern entsprechendes Kartenmaterial gekauft und dieses studiert haben, fahren wir mit dem Bus zuerst in die "alte Heimat" von Heidruns Vater; es sind nur wenige Haltestellen bis dahin. Hier schauen wir uns gründlich um = die meisten Häuser sind Nachkriegsbauten und die Straße hat sich vermutlich auch im Zuge des Wiederaufbaus verändert. Wir fotografieren alles, um es später zu zeigen und darüber zu sprechen. Hier fährt auch eine Straßenbahn, die wir für den Rückweg nehmen, bzw. als Fahrzeug für Sightseeing. Wir fahren bis zur Endstation Nowy Port, fast an der Küste, um dann nach Oliwa zu fahren. Bei bestem Wetter rumpelt die alte Bahn über die Gleise, der Lärmpegel ist nichts für zarte Ohren. An den Haltestellen öffnen die Türen mit heftigem Ruck, um beim Schließen dann noch lauter zuzuknallen. Aber wir sehen viel von der Stadt, fahren durch unterschiedlich bebaute Gegenden und stellen fest, dass die Stadt auch sehr grün ist; viele Bäume und immer wieder Grünanlagen und kleine "Parks". Die Gebäude und Häuser wirken so normal wie in anderen größeren Städten = der Eindruck einer schönen Stadt bleibt erhalten. In Oliwa wollen wir uns die Kathedrale ansehen. Der Weg dorthin führt durch einen schön angelegten Park, der den guten Rahmen für diese schöne Kirche bildet, die vom Orden der Zisterzienser erbaut worden ist. Prachtvolles barockes Inneres, darüber ein kunstvolles spätgotisches Sternengewölbe. Die Hauptakttraktion ist jedoch die berühmte Orgel mit 7876 Pfeifen, die größte Orgel Nordeuropas. Zur vollen Stunde soll es ein Orgelkonzert geben, also setzen wir uns auf eine Kirchenbank. Kurz vor 16.00 h wird in polnischer und deutscher Ansage das Konzert angekündigt und die anwesenden Christen werden gebeten, sich zu erheben, um das Vaterunser zu beten. Danach ca. 20 Minuten verschiedene Orgelwerke: ein Ohrenschmaus! Mit der Straßenbahn fahren wir dann später wieder zurück ins Zentrum, vorbei am berühmten Danziger Werfttor, davor das Denkmal für die 1970 gefallenen Werftarbeiter anläßlich der Solidarnosz-Bewegung. Wir essen im Straßenrestaurant direkt an der Marina und sitzen abends in lauer Lurft noch mit Renate und Uwe bei uns im Cockpit und tauschen Erlebnisse. aus.





 

21.06.

Eigentlich wollten Renate und Uwe heute nach Kleipeda starten, doch der Wetterbericht verheißt nichts Gutes; also bleiben sie noch. Heute scheint wieder die Sonne und es ist warm, doch viel Wind ist auf dem Weg in die südöstliche Ostsee. Wir nutzen das Wetter, um gemeinsam mit dem Bus zur Westerplatte zu fahren. Auf der Halbinsel Westerplatte leisteten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 182 polnische Soldaten den Angriffen von 4000 deutschen Soldaten sieben Tage lang erbitterten Widerstand. Das deutsche Kriegsschiff "Schleswig Holstein" hatte am 1. September 1939 mit Schüssen hier den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Heute führt ein schöner Spaziergang durch die Grünanlagen zu dem monumentalen Denkmal, vorbei an Gedenktafeln für die gefallenen Soldaten, Wehranlagen und einem abgestellten Panzer. Zurück im Zentrum besichtigen wir noch den Hauptbahnhof, dessen schöne Fassade neugierig macht. Innen ist er jedoch wie jeder Bahnhof, soll heißen: von außen schöner als drinnen. Dann noch ein Blick in die Katharinenkirche und auf eine Mühle am ehemaligen Holzmarkt, danach zurück durch die Altstadt zum Schiff und Füße ausruhen lassen.........





 

22.06.

Alles ist grau in grau, es regnet heftig. Für heute haben wir mit Renate und Uwe ein Mietauto bestellt, also nicht ums Wetter kümmern.... Im Hafenmeisterbüro werden die Formalitäten erledigt, dann steigen wir kurz nach 10 Uhr in den daneben stehenden PKW: ein Lancia, schön geräumig für uns Vier. Wir fahren ca. 70 km nach Malbork, um uns dort die Marienburg anzusehen = die mächtigste Burganlage des europäischen Kontinents. Die Bauarbeiten begannen 1280, später Vergrößerungen, als der Deutsche Orden seinen Sitz 1309 von Venedig in die Marienburg verlegte; 1772 wurde die Burg preußisch. Nachdem im Krieg sehr viel zerstört worden ist, begann 1961 der Wiederaufbau durch die Polen. Deshalb ist heute eine beeindruckende Sicht auf das Leben in dieser Burg möglich. Die Unterkünfte für die Mitglieder des Deutschen Ordens, der Ritter und Wachleute, der Hochmeister-Palast, "Gästeräume", die Küche, Sitzungs- und Speisesaal, alle mit schön gefließten Fußböden und bemalten Decken. Ein schöner Kreuzgang um den Mittelhof, die Schloßkirche, das Hochschloß, das den Konventsbrüdern als Kloster diente. Anschließend fahren wir weiter nach Elblag ( Elbing ). Die Hauptattraktion dieser Gegend ist der Oberländische Kanal, der fünf Seen verbindet, wobei auf 10 km ein Höhenunterschied von 99 m zu bewältigen ist: die Schiffe werden auf Schienen und einer Art Schlitten per Wasserkraft über die Hügel gezogen. Eine technische Meisterleistung aus der Mitte des 19.Jahrhunderts. Wir haben Glück, dass gerade ein Schiff ( trotz des schlechten Wetters ) ankommt und wir diese Schiffshebeaktion miterleben können. Toll ! Zurück fahren wir in Richtung Ostseeküste, um noch einen Blick auf das Frische Haff zu werfen. Leider gießt es jetzt besonders heftig. Danach fahren wir entlang dieser Küstenstraße zurück nach Danzig, überqueren die Weichsel mit der Fähre, den nachfolgenden Nebenarm über eine Pontonbrücke. Der Himmel klart endlich auf und im Sonnenschein fahren wir in die Stadt hinein. Gemeinsam gehen wir noch "zum Chinesen" als Tagesabschluß bzw. Verabschiedung, denn morgen werden Renate und Uwe nach Klaipeda aufbrechen. Zur Polenübersicht nachfolgend zwei Karten.     276 Autokilometer








23.06.

Nach morgendlichem Sonnenschein zieht Gewitter auf und kracht und regnet vor sich hin. Vorher haben wir noch Renate und Uwe verabschiedet. Heute ist Zeit, im Internet zu surfen und auch diese Berichte zu aktualisieren. Der Himmel ist dabei mal mehr, mal weniger bewölkt.

24. + 25.06.

Eigentlich hatten wir in Erwägung gezogen, noch nach Gdynia und Hel zu segeln, doch nach Anhörung des abendlichen Seewetterberichtes werfen wir diese Pläne über den Haufen, weil für die nächsten zwei Tage günstige Windverhältnisse  (SW-W! 2-3 Bft, vorübergehend etwas zunehmend ) vorhergesagt werden, um nach Klaipeda ( Memel ) / Litauen zu segeln. Von Danzig nach Klaipeda sind es ca. 120 sm; dazwischen ist Russland ( mit z.B. Kaliningrad / Königsberg ), das im 12 Meilen- Abstand umsegelt werden muß. Wenn jemand dorthin segeln möchte, muß vorher ( in Deutschland ) ein Visum beantragt werden, ansonsten drohen Strafen, und die Russen sind da sehr penibel ! Leinen los um 10.35 h, nahezu bedeckter Himmel. Wir motoren aus dem Hafen, dazwischen Stopp an der Tankstelle, um 11.35 h erreichen wir den Kontrollpunkt und machen fest. Jetzt müssen wir offiziell ausklarieren, da wir Polen verlassen. Nach ca. 10 Minuten ist alles erledigt und schnell legen wir ab, weil die große Polferry einläuft und ihr Platz hinter dieser Anlegestelle ist. Langsam dreht sie im Hafen, um rückwärts anzulegen, und wir schaffen es noch rechtzeitig, vor ihrem Bugstrahlruder freizukommen und somit können wir zügig auslaufen, ohne warten zu müssen. In der Danziger Bucht lassen wir den Motor noch an, inzwischen jedoch zusätzlich das Großsegel gesetzt, da nicht viel Wind ist und wieder die Verkehrstrennungsgebiete entsprechend gekreuzt werden müssen. Am Himmel verdunkeln sich die Wolken, kurz vor der Landspitze Hel prasselt der Regen auf uns herab; vorübergehend Motor aus, da die Böen zum Segeln unter Groß ausreichen. Als die Schauerwand durch ist, wieder Motor an, kaum Wind. 14.00 h Leuchtturm Hel querab, Motor aus, Genoa ausgerollt, Wind pendelt sich auf NNW ein, Himmel bedeckt. 14.30 h noch ein Regenschauer, danach Wind NNW 4 Bft. Eine Stunde später sind wir am Ende dieser Wolkenschicht, die Sonne scheint, Schleierwolken, Wind jetzt NW 4-5 Bft, wir rauschen über das Wasser. Um 17.30 h etwas abgeflaut, Harald macht ein Nickerchen, danach gibt es zum Abendessen ein Fertiggericht, was wir im schönen Abendlicht einnehmen. Als wir später den Seewetterbericht anhören, sind wir besonders froh, bereits unterwegs zu sein, denn die neuen Trendmeldungen prophezeien für die kommenden Tage Starkwind um 6-7 Bft. Um 21.50 h erreichen wir den "Eckpunkt" des äußersten russischen Sperrgebietes und können etwas abfallen. Weil der Wind jetzt aus West mit 3 Bft weht, dazu Dünung, flappen die Segel zeitweise; über uns blauer Himmel. Als es dunkler wird, scheint der Mond auf die Wellen hinter uns = kitschig schön! Ganz dunkel wird es ab Mitternacht für ca. 3 Stunden, dann wird es schon wieder hell. Seit 2.00 h legte der Wind etwas zu, die Wellen sind höher geworden, die Genoa gerät zunehmend in die Abdeckung des Großsegels; bei diesem Wellengang möchten wir jedoch nicht ausbaumen oder den Blister setzten, um ggfs. schneller manövierfähig zu bleiben, falls noch ein Frachter unseren Weg kreuzen sollte. Heidrun übernimmt um 3.00 h das Steuer, Harald schlummert etwas. Endlich ist in der Ferne auch 'mal ein Fischerboot zu sehen, ansonsten ist auf dem Wasser nämlich nichts los. Um 4.00 Uhr geht die Sonne auf; die Nacht war jedoch nicht so kalt, wie befürchtet. Wir hatten uns zwar entsprechend angezogen, auch Mützen auf, doch die Kälte hielt sich in Grenzen. Um 9.15 h gehen wir auf Kurs zur Hafeneinfahrt; hier sind einige Frachter unterwegs. Die See ist ordentlich schaukelig, Wellenhöhe inzwischen ca. 2 Meter. Wir rollen die Genoa ein, Motor an, die Wellen tragen uns um 9.15 h in den langen Hafen, der auch der Zugang zum Kurischen Haff ist. Hier bergen wir das Großsegel und motoren zur Zollbrücke im eigenen Anlegehafen, um einzuklarieren, was ca. 10 Minuten dauert. Danach zurück um dieses Becken in den Fluß Dange, der hier mündet, um zum Yachthafen zu gelangen. Vorher lassen wir noch die breite Fähre, die die Kurische Nehrung mit dem Festland verbindet, vorausfahren, um dann im rechten Winkel durch die schmale Einfahrt in den Kastellhafen abzubiegen. Fest um 10.40 h ( bzw. 11.40 h Ortszeit! ) vor Heckboje. Nachdem das Schiff aufgeklart ist, gibt es Brunch zur Stärkung der Lebensgeister. Die Sonne scheint, es ist sehr warm, besonders, weil man hier sehr geschützt liegt und kaum etwas vom Wind zu merken ist. Das gibt uns den "Rest", wir schlaffen total ab und legen uns hin, um Schlaf nachzuholen. Am Spätnachmittag versucht Harald, unsere letzten Zloty umzutauschen, doch heute ist hier noch Feiertag ( langes Wochenende) , weil am Samstag Mittsommer war und das auch hier gefeiert wird ( in Danzig gab es hierzu ein Feuerwerk ). Abends essen wir bei Sonnenschein im Cockpit unsere letzte von Deutschland mitgebrachte (gekühlte ) Honigmelone mit italienischem Schinken, danach 2,3... Wodka zum "verteilen", und die Schiffsmannschaft geht heute viel früher schlafen, als gewohnt......war was?.......                                                                                                                 125,5 sm












26.06.

Nun sind wir wieder frisch und ausgeruht. Es regnet! Weil wir frisches Brot haben möchten ( notfalls wäre Knäckebrot oder Dosenbrot vorhanden ), macht sich Harald vor dem Frühstück auf den Weg, um die Zloty gegen Litas einzutauschen, dann das Brot zu kaufen. Preis dafür ähnlich wie in Polen: (500 g) Weißbrot kostet 1,44 Litas ( ca. 0,47 Euro ). Nach dem Frühstück wollten wir eigentlich auf Erkundungstour, doch der kräftige Regen hört nicht auf, im Gegenteil: Am frühen Nachmittag gewittert es zusätzlich und sehr stürmische Böen bringen das Schiff vor Top und Takel zum schaukeln. Da macht es draußen keinen Spaß, in der Stadt herumzulaufen, geschweige denn, die Kurische Nehrung zu besichtigen. Staubsaugen und putzen ist angesagt und Zeit zum Lesen oder für PC-Spiele auch 'mal wieder nett.


27.06.

Heutige Wettervorhersage: SW 8-9 Bft, Schauer- und Gewitterböen, strichweise diesig, See 2-4 m hoch! Tiefdruckgebiete rasen über die Ostsee; es regnet dazu heftig. Wir wollen trotzdem in die Stadt, da wir auch einige frische Lebensmittel benötigen. Harald geht auf dem Schiff voraus, tritt vom Schiffsbug auf den Steg - und weg ist er ! Im Wasser !! Geistesgegenwärtig hat er noch die Fototasche schnell aus dem Wasser gegriffen und auf den Steg geworfen. Sofort kommen zwei Männer und ziehen ihn auf den Steg. Gott sei Dank, dass sonst nichts passiert ist, er ist zwar pudelnass, aber heil. Der Steg ist glatt, deshalb ist Harald beim Übersteigen ausgerutscht. Also wieder zurück: nasse Kleidung ausziehen, Fototasche prüfen ( ist innen trocken ! ), und, neu angezogen, dann der zweite Start. Diesmal sind wir besonders vorsichtig. Klaipeda ist der einzige Seehafen Litauens und war während der Sowjetzeit Sperrgebiet für die Bewohner und Fremde. Wer in die Stadt hinein bzw. aus der Stadt wollte, hat hierfür eine Sondergenehmigung gebraucht. Im 13.Jahrhundert kam der Deutsche Orden auch in dieses Gebiet und nahm es ein. Das damalige Memel wurde auch Hansestadt. Der Altstadtkern stammt noch aus der deutschen Zeit vor 1923 und wurde nach der Zerstörung im Krieg wieder originalgetreu aufgebaut. Auf dem Theaterplatz ist die Statue von "Ännchen von Tharau" aufgestellt, die wir alle aus dem gleichnamigen deutschen Volkslied kennen, das der deutsche Poet Simon Dach gedichtet hatte, weil er sich in diese Dame verliebt hatte ( sie war jedoch bereits einem anderen Mann versprochen ). In der Altstadt sind auch viele Galerien und nette Lokale. Das große Gebiet des Marktes ist unterteilt in Bauernmarkt, z.T. überdacht, ein extra Gebäude für Fleisch- und Wurstwaren, Bäcker und Käsehändler. Der Rückweg zum Schiff ist nun etwas mühsam, da die vollen Taschen den Kampf mit dem Regenschirm im Sturm hindern. Wir sind froh, als wir wieder unter Deck sind. Es ist kühl und ungemütlich, deshalb freuen wir uns, dass die Heizung wieder in Ordnung ist und uns jetzt wärmt ( und auch die nasse Kleidung von Harald trocknet ). Die Wassertemperatur hier im Hafen beträgt übrigens 18° C........








28.06.

Es stürmt und der Regen fliegt quer. Da "jagt man keinen Hund vor die Tür" und uns auch nicht! Wir bleiben unter Deck.


29.06.

Es bläst immer noch, aber: die Sonne scheint!! Heute wollen wir auf die Kurische Nehrung und dabei auch das Haff sehen. Mit der Fähre fahren wir von Klaipeda hinüber nach Smiltyne, gehen zur Bushaltestelle, müssen jedoch noch ca. eine Stunde warten, bis der abfährt. Wir lösen dann Fahrkahrten ( einfache Fahrt 7,- Litas p.P. = ca. 2,25 Euro ) nach Nida und fahren die einzige Straße auf der Nehrung gen Süden, ca. 50 Kilometer; kurz danach ist die russische Grenze. Herrliche Landschaft (Naturschutzgebiet ). Durch viel Wald (überwiegend Kiefern, auch etliche Birken u.a. ) führt die Straße uns über die hügelige Dünenlandschaft; manchmal ein Blick auf das Haff, an einigen kleinen Dörfern vorbei, die alle auf der Haffseite liegen; nach einer guten Stunde erreichen wir Nida, einen ursprünglichen Fischerort, der jedoch schon seit 120 Jahren mit dem natürlich gewachsenen Tourismus lebt und auch zur Preußenzeit eine sehr beliebte deutsche Sommerfrische war ( Thomas Mann hatte ein Sommerhaus in Nida ). Die alten Häuser sind überwiegend aus Holz, einige mit Rethdach, und sehr gepflegt. Viele Künstler leben hier, auch Bernstein wird in allen Variationen angeboten. Eine sehr aufgelockerte Bebauung des Ortes mit viel Grün dazwischen, neuere Häuser wurden im ansprechenden Stil gebaut und harmonisieren gut. Eine schöne großzügige Promenade am Haff zum Hafen, Wege durch Kiefernwälder führen zur hohen Düne von Nida. Deutsche Ingenieure hatten seinerzeit geholfen, die Wanderdünen auf der Nehrung zu befestigen, die nach der Rodung der Wälder ab dem 15.Jahrhundert 14 Dörfer unter sich begraben haben. Seit dem Jahr 2000 gehört die Kurische Nehrung zum Weltkulturerbe der UNESCO. Viele Bewohner sprechen noch deutsch ("ostpreußischer Zungenschlag"), wie wir auch in den Geschäften feststellen konnten, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch sehr viele deutsche Touristen sich hier wohlfühlen. Manchmal hatten wir den Eindruck, gar nicht im Ausland zu sein, wenn da nicht die litauischen Schriftbilder gewesen wären. Auf der Rückfahrt ist der Bus wieder vollbesetzt und im sonnigen Spätnachmittag wirkt die Landschaft noch lichtdurchfluteter. Die Fähre bringt uns danach wieder auf "unsere Seite"; wir beschließen den Ausflug mit einem Essen in einem der urigen Lokale in der Altstadt ( Preisniveau allgemein geringfügig über dem in Polen ).




30.06.

Nachdem die Ausklarierung hier im Hafen erledigt werden konnte, Leinen los um 9.30 h ( 10.30 h Ortszeit ). Am schmalen Durchgang aus dem Yachthafen kommt natürlich gerade die breite Fähre, die wir passieren lassen. Im großen Hafengebiet setzen wir schon das Großsegel, um 9.55 h sind wir "draußen". Wind S 4 Bft, es beginnt zu regnen.Mit ausgebaumter Genoa ziehen wir gen Norden entlang der Küste; als der Wind auf SSW-SW dreht, Genoa nach Lee ausgebaumt, Wind jetzt 4-5 Bft. Um 15.30 h hört es endlich auf zu regnen und die Sonne kommt durch. Die Genoa können wir jetzt nicht mehr ausgebaumt fahren, da der Beschlag am Spinnakerbaum gebrochen ist ( Ersatz ist an Bord, kann aber erst im Hafen ausgetauscht werden ), deshalb fällt das Segel öfter ein, die Geschwindigkeit ist entsprechend unterschiedlich. Um 16.50 tauschen wir die Gastlandflagge aus gegen die lettische. Die Küste ist hier etwas hügeliger, nicht so flach wie in Litauen. Um 16.50 h gehen wir auf direkten Kurs Richtung Hafen, der Wind nimmt etwas ab und die Dünung schaukelt uns durch. Über Land bilden sich Quellwolken, westlich über See verdunkelt sich der Himmel. Weil der Wind weiter abnimmt, starten wir um 18.15 h den Motor und erreichen nach 4 sm die Einfahrt in den mit Wellenbrechern geschützten Vorhafen von Liepaja. Nachdem das Großsegel eingerollt ist, fahren wir in den südlichen Kanalhafen, entlang der Fischereiflotte, an Marinebooten vorbei, um dann um 19.25 h ( 20.25 h ) am zugewiesenen Liegeplatz am Gästeschwimmsteg längsseits fest zu machen. Die Einklarierung erfolgt beim Hafenmeister. Dann haben sich die häßlichen Wolken alle getroffen und es gewittert heftig, dazu prasselnder Regen. Schön, dass wir das nicht draußen abbekommen haben.                                                                                                        55,2 sm


 1.07.

Stadtbesichtung "ins Wasser gefallen" = es regnet unaufhörlich! Harald baut die "Kuchenbude" auf, damit wir etwas mehr trockenen Freiraum haben. Im Hafenmeistergebäude gibt es eine Waschmaschine und einen Trockner und wir können wieder einen Wäscheberg abarbeiten. Erst am späten Nachmittag / frühen Abend wird es trocken, so dass wir noch eine kleine Runde in der Umgebung spazieren können. Viele Holzhäuser stehen hier noch und manche Gassen sehen aus, als wäre man noch im letzten Jahrhundert.Wir gehen in das vom Hafenmeister empfohlene Restaurant zum Essen. Auch dieses Haus ist ein Holzhaus mit dicken Deckenbalken und urigem Interieur aus alten Zeiten. Etwas "gehobene Küche": ausgezeichnetes Essen; es gab sogar den "Gruß aus der Küche": diverse Brotsorten mit Kräuterbutter für die Wartezeit. Mit Suppe, Hauptgericht, Dessert und Getränken haben wir 19,- Laats ( ca. 30,- Euro ) bezahlt; für d i e s e s  Essen nicht zuviel!








 2.07.

Der Tag fängt nicht gut an: Heidrun kann nicht mehr im Bett liegen bleiben, weil sie Schmerzen im Kreuz hat und stiehlt sich leise - um Harald nicht zu wecken - in den Salon, um sitzenderweise noch zu schlummern. Sie kann sich so gut wie garnicht bewegen, dann jedoch nur unter Schmerzen. Harald dringt auf Arztbesuch und erkundigt sich beim Hafenmeister nach der Adresse oder einer Polyklinik. Der freundliche Hafenmeister bietet uns an, dass er uns hinfährt, jedoch nicht in eine Polyklinik, sondern direkt in ein Krankenhaus - quasi als Notfall - , um lange Wartezeiten zu sparen. Wir nehmen das Angebot dankend an, und nachdem er noch einige Telefonate erledigt hat, fährt er mit uns um 12.00 h los. Im Krankenhaus ist Karlis Kints, Mitte 20 Jahre alt, uns eine wertvolle Hilfe, denn mit seinem dolmetschen ( lettisch / englisch ) sind wir schnell an der richtigen Stelle und er bewirkt, dass wir "sofort" dran kommen. Für die Untersuchung der Ärztin müssen wir lediglich 12,- Laats ( nicht ganz 20,- Euro ) bezahlen; mehr Formalitäten sind nicht erforderlich. Nach der Untersuchung schreibt er die verordneten Medizineinnahmen auf englisch auf, Heidrun erhält zwei Spritzen und auf Anraten der Ärztin wird noch eine Röntgenaufnahme, eine Etage höher, gemacht ( 4,- Laats ). Das Ergebnis möchte sie dann sehen, bevor wir wieder gehen dürfen. Die längste Wartezeit entsteht, als wir nach der Entwicklung der Aufnahmen auf die Ärztin warten müssen, weil gerade Mittagspause ist. Mitunter klingelt das Handy von Karlis und er managed fernmündlich. Uns ist es fast peinlich, dass wir seine Zeit so beanspruchen, doch er winkt ab und meint lakonisch, dies gehöre auch zu seinem Job...... In der Krankenhausapotheke kaufen wir noch die Medikamente ( Tabletten und Spritzen ), dann zurück zum Hafen; gegen 14.00 Uhr steht Karlis wieder allen zur Verfügung. Wir sind ihm soooo dankbar für seine Unterstützung, ohne ihn wäre alles viel komplizierter gewesen; wer weiß, ob ein Anderer das auch getan hätte !? Heidrun befolgt die Anweisung der Ärztin: ruhen, einige Tage nicht segeln, und setzt sich mit einem Buch "in die Ecke" = etwas anderes ist auch nicht möglich, denn die Wiederherstellung braucht Zeit. Weil heute ( !! ) die Sonne scheint, macht Harald die Stadtbesichtigung am Nachmittag alleine und zeigt Heidrun danach die Fotos. Mit Noten markierte Gehwege führen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Ende des 19.Jahrhunderts war Liepaja ein bekannter Kurort; aus dieser Zeit sind heute noch schöne Jugendstil- und Gründerzeitvillen zu sehen. Die im Krieg zerstörten Gebäude der Altstadt wurden originalgetreu wieder aufgebaut. Im Strandpark befindet sich eine alte Badeanstalt und auch eine Freilichtbühne, wo klassische Konzerte und das Sommer-Rockfestival präsentiert werden. Außderdem ist in dieser Stadt die älteste Straßenbahn des Baltikums ( seit 1899 ), die über die vor uns liegende Brücke fährt ( die Wagen sind jedoch inzwischen neueren Datums ). Liepaja war in der russischen Zeit Sperrgebiet auch für die Bewohner, da hier die Atom-U-Boot-Flotte lag. Heute leben noch sehr viele Russen in der Stadt, wovon auch einige, typisch russisch, verkommene ( Rost-) Schiffe im Hafen zeugen.









 3.07.

Hospitalschiff Viking = Heidrun sitzt nur rum, das Gehen ist zu beschwerlich bzw. unmöglich. Kranken- "Schwester" Harald verabreicht ihr die täglichen drei Spritzen ( macht er sehr gut! ). Karli erkundigt sich auch nach dem Gesundheitszustand und bietet an, falls es nicht besser wird, nochmal ins Krankenhaus zu fahren. Warten wir ab, das braucht eben etwas Zeit. Es regnet 'mal wieder den ganzen Tag und der Seewetterbericht kündigt wieder viel Wind für die nächsten Tage an..... Die Tiefs lieben wohl die Ostsee: bisher waren nur einzelne Tage 'mal schön, jedoch nicht eine zusammenhängende Schönwetterperiode. Ob der Sommer noch kommt ?







 4.07.

Heute scheint wieder die Sonne; das passt zur Stimmung, denn Heidrun konnte durchschlafen. Nachdem Harald die Hausarbeit erledigt hat, seiner Frau die Spritze verabreicht und dann auch den Beschlag am Spinnakerbaum ausgetauscht hat, radelt er los und kommt später zufrieden zurück, um zu berichten. Heidrun kann sich leider nur die Fotos ansehen, aber sie unterstützen Haralds Erzählungen und vermitteln ihr einen guten Eindruck. Im nahegelegenen Supermarkt kauft Harald eine Familienpackung Eis und somit ist unser Nachtisch heute auch ein "Trostpflaster".

 





 5.07.

Der Vormittag beginnt sonnig, doch der heftige Wind schiebt die Wolken schnell zusammen = und....? Es regnet 'mal wieder den ganzen Tag! Dabei kühlt es so ab, dass wir schon am Nachmittag die Heizung anstellen. Alles grau in grau, die Autos fahren mit angestellten Scheinwerfern. Die Windprognosen für die nächsten Tage sind nicht günstig: Starkwind, "falsche" Richtung für uns, was jedoch insofern tröstet, weil wir hier noch liegenbleiben müssen, bis es Heidrun wieder besser geht.


 6.07.

Nach Regen kommt Sonne: Harald radelt durch die Gegend. Der Stadtteil Karosta wurde seinerzeit von und für die Russen gebaut. Typische "Plattenbauten", die heute überwiegend verlassen sind und "ausgeschlachtet" wurden = hässliche Relikte, bis auf die russische Kirche, die gepflegt und von den noch vielen ansässigen Russen genutzt wird. Innen passen die "Babuschkas" ( alte Frauen ) auf, dass alles sauber bleibt und sich keiner an den schönen Ikonen vergreift oder fotografiert - so, wie wir das damals auch in Rußland erlebt haben. Ein Blick am Nordhafen über die See belegt die Windvorhersagen. Ein Lette wollte eigentlich in den nächsten nördlichen Hafen segeln, kam jedoch wieder zurück, weil tatsächlich zuviel ungünstiger Wind und sehr hohe Wellen sind....





 7.07.

Zur Abwechslung heute wieder Regentag. Wie war das mit dem Hund und der Tür?...... Nachfolgend 'mal wieder eine Kartenübersicht, um nachvollziehen zu können, welchen Weg wir genommen haben, um hier in Liepaja die "Reha" zu verbringen.



 8.07.

K e i n e  Abwechslung heute: wieder Regentag; dazu sehr stürmisch, Schwell im Hafen. Ganz langsam geht es Heidrun besser und die Genesungswünsche beim sonntäglichen Familienrundruf motivieren sehr! Harald hat es heute technisch geschafft, dass unsere Homepage komplett aktualisiert werden konnte. Das Problem ist meistens, wenn schon Internet erreichbar ist, die Fotos einzufügen, da wir nicht immer unser Laptop anschließen können, mitunter auch keine Anschlüsse für CD's oder elektronische Fotoalben vorhanden sind, und die Internetsysteme  unterschiedlich sind. Der derzeitige Trick: Im Hafenmeisterbüro den auf CD gespeicherten Text in die HP einspielen und die auf der CD ebenfalls gespeicherten Fotos hochladen ( Bildgröße wurde vorher schon angepaßt ). Im Internetcafé ( anderes System ) können dann die hochgeladenen Fotos bei den entsprechenden Tagen eingefügt werden. Alles klar ? Hauptsache, es funktioniert. Internetnutzung ist im Hafenmeisterbüro kostenlos, aber das ist zugleich auch deren "Dienst-PC" ( ggfs. Rücksichtnahme auf das Tagesgeschäft einkalkulieren ), im nahen Internetcafé kostet eine Stunde ca. 1,- Euro. Also alles kostenmäßig überschaubar, "nur" die Hin- und Herlauferei ist erforderlich. Auf dem Rückweg bringt Harald frische, fast noch warme, "Teilchen" mit und bei laufender Heizung genießen wir unseren Sonntagsnachmittag-Kaffee, der Regen prasselt an Deck.

9.07.

Heute ist wechselhaftes Wetter, was bedeutet, dass es auch trockene Phasen gibt; der Wind ist jedoch immer noch heftig. Weil ja  die "Kuchenbude" unser Cockpit schützt, räumt Harald die Backskisten aus, um dann hineinzusteigen um einiges zu checken: Der Tankverschluß des hinteren Wassertanks ist nicht ganz dicht, außerdem ein Mini-Löchlein daneben, was man nur erkennt, weil ein kleiner Wassertropfen darauf steht. Also abdichten, zukleben und die anderen Dinge in dieser Umgebung prüfen, wenn man schon mal dabei ist. Das Lüftungsventil des Kühlschrank-Wasserzulaufs ist auch nicht ganz dicht: wird bearbeitet. Das dauert alles seine Zeit, weil diese Stellen mitunter nur als "Schlangenmensch" erreichbar sind. Dann kann alles wieder eingeräumt werden und die Bilgen geprüft werden. In der Bilgepumpe hat sich etwas Schmutz gesammelt, deshalb pumpt sie nicht mehr: wird entfernt, alles wieder o.k. Arbeitsreiche Stunden! Nachfolgend "unser" gut sortierter Supermarkt, der nur ca. 5 Minuten entfernt ist; Preisniveau der Lebensmittel etwas günstiger als bei uns.



         





10.07.

Heute ist großer Aufbruch bei "Seglers", denn der Wind hat nachgelassen; nach einigen Tagen des Wartens leeren sich jetzt zügig die Liegeplätze. Morgens schien noch die Sonne, doch das war nur kurz, weil sich der Regen wieder aufdrängte. Weil dann erstmal Ruhe im Hafen war, konnte Harald Heidruns "Krankenwagen" und unseren netten Hafenmeister Karlis Kints noch im Bild festhalten. Karlis ist überwiegend tagsüber im Einsatz, am Abend bzw. für die Nacht ist Schichtwechsel. Nachmittags besorgte Harald auf dem Markt noch Obst und Gemüse; gerade rechtzeitig zurück, denn es fallen die neuen Segler ein, die endlich von Klaipeda loskamen (Südwest bis Westwind ). Schnell sind alle Plätze wieder belegt. Wir haben auch ein  ( deutsches ) Segelboot längsseits an uns liegen; dieses Schiff hat ebenfalls in Danzig während unseres Aufenthaltes dort gelegen. Wir hören, dass es in Klaipeda ein sehr ungemütliches Liegen war, weil wegen der Sturmtage der enge Hafen proppevoll war. Wenn wir uns dazu dann noch die dortigen schlechten Sanitäranlagen für die vielen Menschen vorstellen.......  Gut, dass uns der Zwangsaufenthalt erst hier traf ! Das heutige Abendessen konnte von Heidrun schon überwiegend selbst zubereitet werden - sie ist darüber sehr zufrieden, auch wenn zwischendurch noch Sitzpausen eingelegt werden müssen.








11.07.

Die Sonne ist wieder da! Unsere Bootsnachbarn segeln weiter wie die meisten anderen, einige bleiben jedoch noch hier liegen. Heidrun geht es zusehends besser und kann schon im Cockpit sitzen und lesen. Harald radelt auf Erkundungstour. Sein Weg führt u.a. auch an den hinter der Küste und Stadt liegenden "See" = ebenfalls entstanden aus verwehtem Sand, der eine ursprüngliche Meeresbucht vom Meer trennte. Die St.Meinard Kirche ist ein Geschenk des Vatikanstaates an die Stadt Liepaja; die Kirche war der Pavillon des Vatikans auf der Expo 2000 in Hannover.












12.07.

War wohl gestern zu anstrengend für die Sonne: heute macht sie wieder Pause. Harald hat "in Sachen Internet" jetzt eine einfachere Verfahrensweise gefunden, somit ist nur noch der Gang ins Hafenmeisterbüro erforderlich, um unsere HP zu aktualisieren. Heidrun hat nun alle Spritzen und Tabletten aufgebraucht, mal sehen, wie die Knochen darauf reagieren, wenn sie nicht mehr "gedopt" werden. Am späten Nachmittag sehen wir einen jungen Mann nahe beim Schiff sitzen, der malt; die Neugier treibt uns bzw. Harald hinaus. Es ist ein Kunststudent, der sich unser Schiff für seine Aquarellzeichnung ausgesucht hat. Harald hat ihm unsere www. ... genannt, damit er sich das Fotoergebnis darin anschauen kann. Rechtzeitig vor dem nächsten Regenschauer ist er fertig geworden, hat alles schnell eingepackt und ist gegangen. Alles Gute für die künstlerische Entfaltung und viel Erfolg!


Neuer Absatz






13.07.

Heute ist freundliches Wetter. Beim herumradeln entdeckt Harald ein lettisches  n e u e s  Holzhaus, alles sehr gepflegt. Ein Stück weiter steht eine andere - nicht typische - russische Kirche, die aussieht, als wäre sie aus Zuckerguß. Am Nachmittag ist großes Spektakel auf dem Hafengelände: Ein musikalisches Live-Programm zur Einstimmung und dann Start einer Sportwagenralley = 60 Autos starten im Ein-Minutentakt, Teilnehmer aus Schweden, Dänemark, Holland und natürlich den baltischen Ländern. Heidrun fühlt sich heute stark und möchte endlich 'mal an Land. Der Spaziergang führt ein Stück am Hafen entlang, fest bei Harald eingehakt ( doch manchmal noch leichte Schmerzen ), kurze Sitzpause, dann zurück = puh, nun ist sie fix und fertig! Aller Anfang ist schwer, aber gemacht.










14.07.

Gestern Abend wurde Heidrun noch von der SY Daniela, Heiligenhafen, ein elektrisches Heizkissen zur Verfügung gestellt; Harald hatte schon versucht, hier eines zu kaufen, jedoch ohne Erfolg. Damit konnte gestern und dann weiter heute herrliche Wärme auf die schadhaften Stellen geleitet werden: Balsam !! Nun muß es eigentlich schneller besser werden ( ? ), denn sie ist schon etwas ungeduldig....  Heute ist schöner blauer Himmel, das freut auch die Veranstalter am Hafen, denn nun finden sportliche Aktivitäten mit Skateboardern, Inlineskatern und BMX-Fahrradfahrern statt. Das beste für  u n s  ist die Musik, denn es wird auch viel Reggae gespielt und das passt so gut zum Wetter und bringt Stimmung.




15. + 16.07.

Die Sonne scheint, aber es weht ein kräftiger Wind. Das Heizkissen ist Heidruns "zweite Haut" und heizt dem Ischias ordentlich ein. Der erneute Gehversuch an Land  verläuft schon besser, das Tempo ist jedoch noch  s e h r  gemäßigt; aber immerhin: es geht "bergauf".





17.07.

Heute ist es mollig warm, ca. 28°C, allerdings reichlich Wind. Harald radelt umher, u.a. nochmal zum "See", doch das "Bild des Tages" findet er in einer Sporthalle: Hier trainiert der Nachwuchs beim Eishockey! Und weil es so schön warm ist, man dann auch gerne noch nach der Arbeit aufs Wasser geht, liefern sich einige Jungmänner abends per Motorbootrennen Duelle und alle hier liegenden Schiffe schaukeln wie wild; das macht doch Spaß...... ( ? )








18.07.

Wieder warm ( 27°C ) und sonnig, auch immer noch Starkwind. Harald radelt in den nächsten Ort Grobina, wo u.a. die Burgruine der Livländischen Ordensburg zu sehen ist; 1559 gab es hier Lettlands erste Verurteilung der Hexen. Von Frau SY "HEBSI", München, wird Heidrun heute die Rückenpartie massiert, damit sich Verkrampfungen lösen; sie ist Masseurin. Mit einer Wärmesalbe wird nun professionell eine sanfte Massage verabreicht, damit Heidrun wieder segelfit wird und wir bald weiterkommen, sonst "... erhalten wir eventuell noch die Stadtrechte in Liepaja..." Wohlgefühl macht sich im Rücken bemerkbar. Am Abend zieht eine Front hoch und es regnet.









19.07.

Heute scheint wieder die Sonne, ca. 24°C, der Wind pfeift über das Wasser und verursacht Schwell im Hafen. Alle lauschen dem Wetterbericht und warten, dass es besser wird. Besser wird es für Heidrun: Heute war sie erstmalig lange unterwegs. Zum Supermarkt, dort drin alles angeguckt ( den Einkaufswagen als Stütze ) und natürlich auch eingekauft, dann wieder zurück zum Schiff = ging gut. Danach ist sie jedoch geschafft; hoffentlich gibt es keinen Muskelkater! Aber Harald hat es im doppelten Sinn gefreut, denn es gibt ein besonders leckeres Abendessen aus den eingekauften Waren: Coq au vin




20.07.

Seit langer Zeit wird im lettischen Rundfunk für die Beachparty geworben; u.a. kommen Kim Wilde und Right said Fred. Heute ist es soweit: am Nachmittag beginnt die Veranstaltung und dauert über das Wochenende. Etliches Jungvolk hat sich am Strand mit Zelten einquartiert, denn der gezahlte Eintritt 15,- Laats ( ca.20,- Euro ) gilt für alle Veranstaltungstage. Das Wetter spielt mit, es ist warm und sonnig, der Wind hat nachgelassen. Auf dem Hafengelände ist eine "Gegenveranstaltung" mit diversen Bands und somit werden wir hier alle ebenfalls reichlich beschallt.








21. + 22.07.

Leinen los um 11.05 h (Ortszeit 12.05 h ) ! Es gibt ein "Wetterfenster", um gut nach Gotland hinüber zu segeln. Noch ist NW 4-5 Bft, der Wind soll jedoch östlicher drehen, also super günstig für uns, da für die nächsten Tage bereits wieder Starkwind angesagt wurde, besonders S-SW mit Böen von 7-9 Bft. Von Karlis haben wir uns bereits am Vorabend verabschiedet, da er am Wochenende frei hat. Nachdem wir unseren Ausklarierungsbeleg erhalten haben, legen wir bei Sonnenschein ab: tschüss, Liepaja! Im Vorhafen setzen wir schon das Großsegel, gleich nach der Ausfahrt dann die Genoa dazu; mit einem ganz kleinen Schrick in den Segeln rauschen wir mit 6, dann 7-7,5 Knoten über die See. Im Laufe des Nachmittags dreht der Wind wirklich östlicher, so dass die Segel gefiert werden können. Das Groß reffen wir etwas, damit Heidrun etwas entspannter sitzen kann, außderdem sind wir sowieso zu schnell und kämen in der Dunkelheit, ca. 2.00 h, an, was wir nicht beabsichtigen. Etwas südlich bildet sich eine sehr graue Wolkenfront und eigentlich sieht es nach Regen aus. Heidrun drängt Harald schon, das Ölzeug anzuziehen, aber der sagt nur:"...das ist nicht vorhergesagt worden..." !? Als wir unter dieser Front sind, wirkt sie wie ein großer Pfannkuchen über uns, ziemlich rund, mit "blauen Rändern", die Wolken auch so "gerührt" wie gebackene Pfannkuchen manchmal aussehen; und: es bleibt trocken! Um 17.30 h haben wir NO 3-4 Bft., 20.30 h ONO 2-3 Bft. Die Abendsonne kämpft sich noch mit letzten Strahlen unter der Wolkendecke durch; um 23.00 h wird es allmählich ganz dunkel; den Mond haben die Wolken auch eingezogen. Später ist ein Lichtpunkt am Himmel zu sehen und Harald ist der Überzeugung, dies sei ein Flugzeug, aber da der Punkt "geparkt" bleibt, ist es doch ein Stern, zu dem dann noch einzelne andere hinzukommen. Auf dem Wasser ist sonst nichts los; das ändert sich, als wir uns um 2.00 h dem Schifffahrtsweg an der Südostküste Gotlands nähern: Ein Frachter nach dem anderen Richtung Norden und Süden. Um 3.00 h kreuzen wir diesen Weg und der Skipper hat gut zu tun, aufzupassen und auszuweichen. Die Mannschaft hat er unter Deck geschickt, damit sie in wärmerer Umgebung ist und sich nichts wieder "ranholt". Heidrun sitzt an der elektronischen Seekarte und behält den "Sollkurs" im Auge bzw. ruft die Angaben hinaus, weil dies zum Anlaufen des Zielhafens Vändburg wichtig ist, da Untiefen und Riffe nur einen schmalen Zugang erlauben. Um ca. 3.45 h ist es hell, um ca. 4.30 h geht die Sonne auf. Nachdem die Genoa schon um 4.00 h eingerollt worden ist, starten wir um 4.25 h den Motor, Groß weg. Fest um 4.50 h ( wieder unsere Zeitzone ) im neuen Hafen Vändburg, längsseits am Kai. Ein ganz kleiner Hafen mit 5 Gästeplätzen. Wir haben Glück, dass ein Platz direkt am Kai frei ist, so müssen wir nicht im Päckchen liegen bzw. so früh morgens Schlafende stören. Natur pur rundum, der Ort ist ca. 1,3 km entfernt. Heute schwellt es noch im Hafen, weil er Richtung Osten ziemlich ungeschützt ist, doch der Wind soll ja auf SW drehen. Wir nehmen erst 'mal eine Mütze Schlaf, Heidrun mit Heizkissen, weil sie zum Schluß doch leichte Rückenschmerzen bekam; danach opulentes Frühstück. Dieser Ort ist so abgeschieden, dass im Radio kein UKW-Sender einzufangen ist und man sich in die schwedische Sprache wieder hätte einhören können. Na ja, dann spielen wir eben unsere "Konserven". Im Laufe desTages bedeckt sich der Himmel immer mehr, es wird ungemütlich kühl und am Abend regnet es. Also stellen wir die Heizung an, um wenigstens unter Deck angenehme Temperaturen zu haben.       95 sm








 

23.07.

Ein Tief über Gotland, 995 hpa = es pfeift im Rigg, Böen drücken das Schiff und es regnet heftig. In einer Regenpause fährt Harald mit einem von zwei Fahrrädern, die hier zur Verfügung stehen, in den Ort, um zu schauen, ob es einen Kaufmann gibt, wo man Brot kaufen kann: "Ort" ist übertrieben, Kaufmann gibt es auch nicht, also erfolglose Tour, bis auf die schöne Landschaft. Dann greifen wir morgen auf unsere Bestände zurück. Fernsehen können wir auch nicht, da wir keinen Empfang bekommen. Hier ist wirklich nur Natur angesagt. Als dann der nächste Regen wieder einsetzt, stellen wir die Heizung an und machen es uns gemütlich mit einem Flascherl Wein.

 

24.07.

Neuer Anlauf, ob doch irgendwo ein Kaufmann ist und auch die Lust, Fahrrad zu fahren ( mit dem eigenen Rad ): Harald radelt los; das Wetter ist gut. Eine Straße führt zum nächst gelegenen Ort Burgsvik, 10 km entfernt, auf dem Weg dorthin ein Stopp in Öja, wo eine der berühmten Kirchen steht, in der noch Wandmalereien aus dem 13. und 15. Jh zu sehen sind. Auf Gotland sind insgesamt 92 ( ! ) mittelalterliche Kirchen, die in der Zeit zwischen etwa 1100 und 1350 erbaut worden sind. Das hängt mit dem Wohlstand zusammen, der damals auf der Insel herrschte. Landwirtschaft ist nur begrenzt möglich, da die Böden karg sind wegen des Kalksteins, aus dem die Insel besteht. Viehwirtschaft besteht hauptsächlich aus Schafzucht. Viele Windmühlen sind noch zu sehen und prägen diese typische Landschaft mit. Unfreiwillig macht Harald fast eine Rundtour dieses Südzipfels von Gotland, weil er einen Abbieger nach Vändburg übersieht bzw. meint, später käme noch ein anderer Weg dorthin: Leider nicht; also den Weg von der Südküste wieder zurück,dann den richtigen Weg zurück zum Schiff. Nach einigen Stunden ist er wieder an Bord, im Gepäck Brot, frischen Fisch und Räucherfisch. Zum Fischfilet macht Heidrun einen Salat, der noch mit Petersilie und Schnittlauch aus "unserem Garten" angereichert werden soll. Sie macht den Schritt ins Cockpit, da stürzt sie und knallt zuerst mit dem Rücken auf die runde Kante der Sitzfläche, dann auf den Boden! Das linke Bein, das vom Ischiasanfall noch geschwächt und nicht voll belastbar ist, hat versagt und ist "eingeknickt". Höllische Schmerzen im Rücken, kraucht sie wieder mit Haralds Hilfe unter Deck und bleibt schlecht und recht sitzen. Glücklicherweise "nur" Prellungen, die mit einer entsprechenden Salbe behandelt werden. Dazu jedoch die mentale Niedergeschlagenheit, denn nun müssen wir vermutlich einige Tage hierbleiben, um wieder fit zu werden! Eigentlich hatten wir vorgehabt, weil der Wind für uns günstig von SW auf nördliche Richtungen dreht, früh zu starten, um den nächsten Hafen auf Öland anzulaufen, der immerhin ca. 50 sm entfernt ist. Das war's dann erstmal.... Es ist zum Verzweifeln!! Irgendwie und ganz langsam liegt sie später endlich im Bett und sucht für den geschundenen Körper die richtige Liegemöglichkeit zum schlafen.



25.07.

Nach einer schlechten Nacht ist das Aufstehen für Heidrun s e h r mühsam. Harald muß wieder Hausmann sein und seine Frau pflegen und aufmuntern. Er ist ein Schatz!! Heute vormittag ist ein finnisches Segelboot eingelaufen. Der Sohn der Familie springt zum Baden ins Wasser = Harald misst die Wassertemperatur: 13,5°C ! Sind w i r zu verweichlicht? Abends schauen wir uns im PC alle bisherigen Fotos dieses Törns an und sind doch ganz zufrieden mit dem, was wir bisher sehen und erleben konnten. Heidruns "Pechsträhne" wird hoffentlich bald aufhören?


26.07.

Ein Zwischenhoch bringt heute noch'mal freundliches Wetter. Harald radelt die ca. 12 km nach Burgsvik, weil dort eine Bibliothek ist, die auch Internet anbietet. Der Rechner ist zwar furchtbar langsam, aber die Homepage kann aktualisiert und die eingegangen E-Mails gelesen / beantwortet werden. Da die Kirche in Hamra ( 8 km ) heute geöffnet ist, kann diese auch noch auf dem Rückweg besichtigt werden. Im Hafen wird es heute voll: insgesamt drei deutsche Segelyachten, eine polnische und fünf schwedische. Für morgen ist das nächste Tief angekündigt mit Regen und Starkwind. Wo bleibt der vielgerühmte schwedische Sommer dieser Gegend ?







 

27.07.

Bis zum späten Vormittag regnet es, dann klart es auf und wird freundlich, dazu jedoch reichlich Wind aus SW, 6-7 Bft. Die permanenten Schmerzen in Heidruns Rücken lassen nach, die Bewegungsabläufe müssen jedoch noch sehr bewusst vorsichtig erfolgen. Auf der Heizdecke wird dem Ischias weiter entgegengewirkt. Aber das Abendessen kann sie, mit Harald als "Handlanger", schon zubereiten = erste Fortschritte. Der Wetterbericht präsentiert die Palette der Tiefs: Tiefdrucksystem, Wellentief, Trog... : also weiterhin viel Wind ( aus der falschen Richtung für uns ).





 

28.07.

"... ein Tief über Nordeuropa mit Zentrum Skandinavien..." = Starkwind, wechselhaftes Wetter. Auch von anderen Seglern hören wir, dass keiner weiterkommt und alle auf Besserung hoffen. Harald radelt hier an der Südküste; einen heftigen Regenschauer kann er noch rechtzeitig im Schutz eines Bauernhauses abwarten, bevor er dann schnell zum Schiff zurückfährt.






 

29.07.

Heute hat Heidrun ihren ersten Landgang nach Tagen des Zwangsaufenthaltes unter Deck gemacht. Spannend war zuerst, wie sie die Treppe hochkommt und vom Schiff der Übergang an Land klappt. Langsam und vorsichtig wurde alles gut gemeistert und der Spaziergang ebenfalls, immer schön bei Harald eingehakt. Das Wetter ist freundlich, aber der Wind bläst. Hier sind viele Brombeeren reif und so gibt es unterwegs "Wegzehrung". Für morgen ist weniger Wind angesagt, doch für Heidrun wäre ein Törn noch zu früh, da das Auf- und Abgehen des Niedergangs bei Seebewegung - und überhaupt Schiffsbewegung - noch nicht schmerzfrei erträglich wäre. Doch es wird ja besser, von Tag zu Tag....




 

30.07.

Es regnet; Tagestemperatur ca. 15°C ! Zum Frühstück stellen wir die Heizung an, damit es etwas kuscheliger wird. Weil der Regen nicht aufhört und somit eine Radtour ca. 11 km wegen Brotkauf unzumutbar ist, backen wir unser Brot mit einer vorhandenen Brotbackmischung selbst. Gegen Abend wird es endlich trocken und Heidrun kann wieder eine - jetzt größere - Runde an Land gehen. Es wird immer besser.

 

31.07.

Gestern Abend lief die Küstenwache ein und hat hier im Hafen übernachtet. Wir wollen heute lossegeln und sind zeitig aufgestanden. Kurz vor dem Ablegen macht die Küstenwache eine Kontrolltour bei den im Hafen liegenden Schiffen, will von uns unsere Ausklarierung von Lettland sehen. Diese wird geprüft, dann telefonisch Rücksprache gehalten, ob gegen uns nichts vorliegt, dann erhalten wir einen Stempel und alles ist o.k. Leinen los um 9.05 h, Wind WSW 4 Bft, heiterer Himmel. Nachdem wir aus dem Hafen motort sind und dem Richtfeuer entsprechend an dem Riff Lillgrund vorbei sind, setzen wir das Großsegel dazu und fahren entlang der Südküste. Angepeilt ist Karehamn auf Öland, ca. 49 sm entfernt. Als wir nach ca. 9 sm den Südpricken von Gotland erreichen, legt der Wind zu, kommt direkt aus West, die Wellen sind inzwischen ca. 2 m hoch. Den Kurs können wir nicht mehr halten, müssen kreuzen und das Schiff wird gespült. Der Wind hat jetzt 6-7 Bft erreicht und wir beschließen, schweren Herzens aber vernünftig, nach Burgsvik / Westküste Gotland abzulaufen. Nur mit gereffter Genoa rauschen wir vor dem Wind der Küste entgegen, Wellenberge auf und ab. Um 13.45 h erreichen wir das betonnte Fahrwasser zum Hafen, rollen die Genoa ein und motoren weiter. Im Hafen sind Heckbojen ausgelegt und wir brauchen ca. 5 Anläufe, bis endlich der Tampen durch den oberen Ring geführt werden kann; der starke Wind treibt uns immer weg bzw. hat zusätzlich Heidruns "Knickebein" auch nicht gerade geholfen. Endlich ist es geschafft, doch der Wind treibt uns quer zum Kai. An Land stehen Helfer, denen wir die Vorleinen zuwerfen können und mit vereinten Kräften liegen wir endlich um 14.25 h richtig und fest. Der Seetörn war für Heidruns Rücken schon ganz gut verträglich, doch das linke Bein ist noch ein Problem. Aber nun liegen wir hier sicher, wenn auch schwellig, der Wind pfeift durchs Rigg. Kein Wetterbericht hatte diese Windstärke angesagt... Im örtlichen ( 1.3 km entfernten ) Fischladen kauft Harald u.a. Barschfilet und davon macht Heidrun einen leckeren Fischauflauf.            25,2 sm


 





1.08.

Die Sonne scheint und es bläst unvermindert. Harald radelt auf schmalen Wegen um diese Bucht in idyllischer Landschaft. Derweil sitzt Heidrun im Cockpit in der Sonne ( im Windschatten), als am Bugkorb geklopft wird: Die Besatzung der SY HEBSI ( war auch in Liepaja ) ist mit dem Linienbus von Visby aus unterwegs, um sich die Landschaft und jetzt den Hafen hier anzusehen, wobei sie dann unser Schiff entdeckten. Da sie uns schon woanders wähnten, muß Heidrun von ihrem Sturz und den damit verbundenen Genesungs-Hafentagen erzählen. Tja, das war wirklich nicht gut. Sie wollen auch in Richtung Öland segeln, vielleicht sehen wir uns unterwegs noch 'mal ? Nett, dass sie "angeklopft" haben.





 

2.08.

Leinen los um 8.05 h, SW 4-5 Bft, blauer Himmel mit Schleierwolken. Wir motoren durch die Fahrrinne und aus der Bucht bis zum Südpricken des nördlich davon gelegenen Riffs. Nun können wir auf unseren Kurs gehen und segeln, was gut ist, denn die See gegenan hier draußen ist etwas ungemütlich. Mit großzügigem Schrick im Großsegel und der etwas gerefften Genoa segeln wir bei WSW 5 Bft Richtung Nordspitze von Öland und dieser Kurs ist sehr angenehm; See z.Z. ca. 1,5 m, der Himmel bedeckt sich zusehends. Mit inzwischen 5 Bft segeln wir flott durchs Wasser und es macht richtig Freude. Schon um 14.47 h umrunden wir den Nordpricken von Öland. Kurz bevor wir auf Südkurs gehen, um in den Kalmarsund einzubiegen, nehmen wir die Segel weg und motoren die letzten ca. 3 Meilen bis Byxelkrog. Fest im Hafen um 15.45 h, Heckboje. Hier ist touristisches Leben: Hotels, Restaurants, Sommerhäuser, Schnickschnack-Läden usw. Nicht weit entfernt ein großer Campingplatz , viele Wohnmobile unterwegs. Die Insel Öland rühmt sich der meisten Sonnenstunden Schwedens, hier wird gerne Urlaub gemacht - auch die schwedische Königsfamilie hat bei Borgholm ihren Sommersitz ( Solliden )                                                                                 50 sm 






 


3.08.

Es regnet bis zum frühen Nachmittag und es ist kühl und ungemütlich; wir bleiben. Zwei Gründe unterstützen die Entscheidung zusätzlich: Hier gibt es Waschmaschinen + Trockner = also endlich 'mal wieder einen Berg Schmutzwäsche abarbeiten, und: wir sind im Internet an Bord ( kostenloser Hotspot des Hafens ) ! Nun können wir ganz in Ruhe unsere Homepage aktualisieren, die E-Mails lesen, beantworten und selbst welche schreiben, usw. Das macht richtig Spaß! Vom Hafenmeister erfährt Harald, dass seit zwei Tagen Internet vorhanden ist. Abends blinzeln zwei, drei Sonnenstrahlen unter der Wolkendecke durch; wir setzen dem ruhigen Tag die Krohne auf und gönnen uns Fastfood ( erspart den Abwasch ).


4.08.

Leinen los um 10.45 h, Wind NW 3 Bft, die Wolkendecke reißt auf. Früh am Morgen war noch alles grau gewesen und der NW-Wind pfiff noch reichlich. Nachdem wir durch die Rinne hinaus motort sind, Segel hoch und Kurs gen Süd. Nach ca. einer halben Stunde dreht der Wind westlicher und nimmt ab, dann Flaute aus SW = Motor an. Und es wird Sommer: Die Sonne scheint aus einem blauen Himmel, das Wasser spiegelglatt - wann hatten wir das zuletzt ? Um 15.20 h passieren wir die Leuchttonne Slotsredden vor Borgholm, was wir ursprünglich anlaufen wollten. Weil es jedoch noch nicht spät ist, beschließen wir, bis Kalmar durchzufahren bei dem herrlichen Wetter; der Motor muss auch mal wieder was zu tun haben. Von See aus sehen wir Schloß Solliden = herzliche Grüße an Königin Sylivia! Manchmal kräuselt sich ganz leicht das Wasser; erst kurz vor der Brücke, die von Kalmar nach Öland führt, kommt etwas Wind aus SW auf, um den wir uns jedoch nicht mehr kümmern. Um 17.57 h unterqueren wir die Kalmar-Sund-Brücke, dann noch ein kleines Stück die Fahrrinne weiter, bis wir nach Kalmar abbiegen können. Fest im Ölandshamnen ( Stadthafen ) um 18.20 h, Heckboje ( mit hohem ! Festmacherring, d.h., man muss sich nicht aufs Deck legen, um die Leine durchzuführen, sehr angenehm ). Mit der Zahlung der Liegegebühr erhalten wir für 20,-Kronen extra ( ca. 2,20 Euro ) auf der Quittung ausgedruckt einen User-Code, da dieser Hafen einen Internet-Hotspot installiert hat. Prima, denn der Code ist nicht für 24 Stunden Anwesenheit gültig, sondern für 24 Stunden Internetnutzung. Deswegen auch gleich der Hinweis auf dem Beleg, dass man sich spätestens nach drei Monaten ausloggen möge..... In den umliegenden Restaurants ist noch reges Treiben; alle sitzen draußen,  Stimmengemurmel, irgendwo wird Live-Musik gespielt; wie gesagt: heute ist  Sommer!                                                        44,5 sm



5.08.

Start um 10.50 h, Wind S, 3 Bft, Sonnenschein am blauen Himmel. Weil der Wind genau gegenan ist und wir keine Lust haben, zu kreuzen, motoren wir die Strecke nach Kristianopel. Zwischendurch briest es auf S 5-6 Bft auf, die See ist ruppig, später wird es jedoch wieder ruhiger. Um 15.35 h erreichen wir den Ostpricken Tummen vor Kristianopel und biegen in die markierte Fahrrinne ein. Fest im Hafen um 16.00 h, Heckboje. Auf dem Hafenplatz ist viel Betrieb: Pavillions und Verkaufsstände sind aufgebaut, ein Unterhaltungskünstler zeigt Kunststücke, z. B. einen schwebenden Tisch. Danach Live-Musik im Pavillion: Sehr schön gesungene Stücke von Frank Sinatra, Dean Martin, Elvis u.ä. Der Sänger hat genau die richtige Stimme für diese Lieder; passt wunderbar zu diesem Wetter! Der schwedische Oldtimer "Shalom" hat auch Gesangsbeiträge vom Schiff klingen lassen, später läuft er wieder aus und dabei singt eine Sängerin das letzte Stück: sehr eindrucksvoll. Die Liegeplätze füllen sich ziemlich schnell und es sind überwiegend deutsche Schiffe = "man" ist auf der Rückreise.                                     29 sm

 



6.08.

Nachdem wir erst Diesel an der Tankstelle aufgefüllt haben, Start um 10.45 h, Wind S 1-2 Bft, immer noch Sommer. Zuerst wieder die Rinne hinaus, dann weiter motort bis zur Offshore-Windanlage Yttra Stengrund. Weil jetzt etwas Wind aufgekommen ist, setzen wir um 12.05 h die Segel, allerdings nur für ca. eine Stunde, dann ist der Wind wieder eingeschlafen. Motor an und entlang der Küste Richtung Utklippan. Fest im Hafen um 15.05 h, längsseits an einem Berliner Segler. Der Hafen füllt sich stetig, die deutsche Rückreisewelle ist auch hier festzustellen. Es sind östliche Winde angesagt und das muss ausgenutzt werden, um "West zu gewinnen", speziell, um die Hanö-Bucht zu queren ( oder nach Bornholm zu segeln, vo da aus weiter Richtung Rügen= Segler aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ). Das Naturreservat Utklippan im Sonnenschein ist wieder bezaubernd. Sobald man wenige Schritte vom kleinen Hafen weg ist, nur Natur: rundgewaschene Felsen, Vogelgeschrei, Wasserglucksen. Oh, island in the sun....                                                                                                                                      24 sm


7.08.

Leinen los um 6.25 h ( dafür umd 5.00 h !! aufgestanden ), Wind NOzO, 4 Bft, noch morgendliche Schleierwolken, sonnig. Wir manövrieren uns an den vielen Yachten vorbei und motoren hinaus, wo wir dann Segel setzen. Bald darauf wird die Genoa ausgebaumt und wir segeln "Schmetterling" über die Hanö-Bucht. Die Wellen kommen ungebremst heran und rollen das Schiff, doch uns stört das nicht = besser, als gegenan zu müssen. Mittags briest es etwas auf, dreht auf OzN, 4-5 Bft, die Segel müssen geshiftet werden ( Anm. f.Nichtsegler: die Segel auf die jeweils andere Seite, der Baum für das Vorsegel muss damit auch umgesteckt werden ). Sonst war nichts los, da die Segelstrecke nur geradeaus geht; der einzige Wegepunkt im GPS ist die Ansteuerung der roten und grünen Tonnen zur Hafeneinfahrt. Kurz vor Erreichen dieser Tonnen werden die Segel geborgen ( bei rollender See, weil auflandiger Wind bei rasch ansteigender Wassertiefe von sehr tiefem Meeresboden auf flachen Küstenboden ), der Motor gestartet und wir laufen in den Hafen von Simrishamn ein. Fest an der Gästebrücke um 15.55 h, Ausleger. Ein herrlicher Segeltag!! Dann das Bonbon: Im Gästehafen gibt es einen kostenlosen Hotspot, den wir hiermit nutzen.                                                 52,2 sm


  8.08.

Hafentag. Erholungstag für Heidruns geprellten Rücken, der heute etwas murrt, obwohl er sonst eigentlich schon ziemlich gut geheilt ist; vielleicht mochte er die gestrige lange Schaukelei nicht so gerne. Also die Zeit nutzen und... ?: Wäsche waschen. Der morgendliche bedeckte Himmel klart im Laufe des Tages auf und es wird sonnig und warm. Das tut gut.

  

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               


9.08.

Wo sind die anderen Schiffe ? Verschwunden im dicken Nebel, der uns einhüllt!! Die Feuchtigkeit tropft von den Relingsdrähten und der Sprayhood, Als Harald zum Bäcker geht, um frisches Brot zu kaufen, meint Heidrun, er solle das kleine GPS mitnehmen, damit er wieder zurückfände... Die "dicke Suppe" bewegt sich erst ab ca. 14.00 h, jedoch zuerst "nach oben", d.h., der Himmel wurde heller, der Nebel blieb jedoch noch "unten" stehen bis ca. 16.00 h - dann war alles weg.Kurzfristig etwas Sonnenschein, gegen Abend jedoch Wolkenverdichtung, einzelne Regentropfen. Zusätzlich ärgerlich: Keine Internetverbindung; man hätte die Zeit so gut nutzen können.

 

10.08.

Der erste morgendliche Blick nach draußen: k e i n Nebel, also los, vorher noch Wassertanks füllen. Leinen los um 9.25 h, Wind NNO, 3 Bft; der bedeckte Himmel wird so "milchig"? Und richtig, auf der Fahrt aus dem Hafen kommt Nebel auf; als wir draußen sind, ist hinter uns nichts mehr zu sehen !! Den letzten roten und grünen Pricken haben wir noch schemenhaft wahrnehmen können, jetzt sind wir "in Watte" eingehüllt. So ein Mist ! Glücklicherweise ist hier nicht viel Schiffsverkehr, doch einige Segler sind ja unterwegs: Radar an, Heidrun beobachtet den Bildschirm und sagt Harald, wann er mit dem Nebelhorn tuten muss, damit der "Punkt" Bescheid weiß, dass da noch jemand ist. Weil wir vor dem Wind segeln, flappen manchmal die Segel und stören beim Horchen in den Nebel. Nach ca. 13 sm erreichen wir den Südpricken bei Sandhammeren und endlich lichtet sich der Nebel, die Küste taucht aus dem Dunst auf und auch andere Segler; es bleibt jedoch diesig, doch das erscheint uns jetzt fast wie "Klarsicht". Nun geht es auf Westkurs, der Wind ist etwas östlicher geworden, NO, 3 Bft, zeitweise 4 Bft. Um 15.00 h erreichen wir den Südpricken des Flachs bei Ystad, laufen weiter zur grünen Tonne der Fahrrinne. Aus dem großen Hafen kommt die Fähre heraus nach Swinemünde = dobre! Schöne Grüße dorthin. Bei der grünen Tonne rollen wir die Segel ein und motoren in den Yachthafen von Ystad. Fest um 15.45 h, längsseits am Schwimmsteg. Es bleibt diesig / trübe. Auch hier ein kostenloser Hotspot im Gästehafen! Und endlich !! kann Harald beim Schiffsausrüster hier im Hafen einen Bojenhaken kaufen, damit das Einpicken in die Heckbojen einfacher wird: ein richtig gutes Teil aus Edelstahl. Unterwegs hatten wir schon immer Ausschau danach gehalten, doch meistens war kein entsprechendes Geschäft vor Ort oder hatte nicht diese Haken. Diese Saison werden wir zwar nicht mehr viel davon profitieren ( Schweden ist fast "abgehakt", hier in Ystad gibt es auch Poller ), doch "man" muss ja an die Zukunft denken... Nun sind wir also wieder in "Kommisar Wallanders" ( Autor: Mankell ) Stadt mit den hübschen alten, gut restaurierten, (Fachwerk- ) Häusern: Dänemark lässt grüßen = Schonen gehörte früher längere Zeit zu Dänemark.                                                                                                                                    29 sm




11.08.

Start um 10.45 h, Wind NNW 3 Bft, noch sonnig, doch dicke Wolken sind bereits unterwegs. Nachdem wir aus dem Hafen motort sind, will Harald das Großsegel ausrollen, doch das kommt nur zur Hälfte 'raus, weil sich beim Einrollen gestern wohl eine superdicke Falte gebildet hat, die jetzt hakt. Im Schweisse seines Angesichts wird das Segel wieder stramm eingerollt - zentimeterweise! - und wieder ausgerollt; immer noch 'mal, bis nach ca. 45 Minuten alles o.k. ist und das Segel in voller Größe und glatt ausgerollt ist. Das hatten wir noch nie!- waren wir gestern schlampig beim Einrollen gewesen? Jetzt ist jedoch der Wind weg, das Wasser spiegelglatt, also bleibt der Motor an auf dem Kurs nach West. Der Himmel über uns ist wie eine "Wabbermasse", hohe Luftfeuchtigkeit, über Land ist es diesig,dann kommt ein Regenschauer; eine halbe Stunde später noch einer. Wir verkriechen uns unter der Sprayhood und lassen den Autopiloten arbeiten. Um 13.30 h bildet sich über Land eine Gewitterfront, auf uns scheint etwas Sonne = ein gespenstischer Anblick. Es dauert nicht lange, da grollt es einigemale, wir haben gerade den Südpricken bei Kullagrund erreicht und laufen jetzt in Richtung Gislövsläge: das noch stehende Großsegel runter. Oh je, das wird sicher ein nasses Einlaufen, schnell das Ölzeug anziehen. Noch zwei heftige Donnerschläge aus diesem blauschwarzen Himmel, in der Ferne sind die großen Fähren in Trelleborg zu sehen, die jetzt wie weiße Ungetüme vor dem dunklen Hintergrund wirken. Wir nähern uns nach ca. 25 Minuten dem Hafen und das Gewitter verzieht sich; Glück gehabt! Fest im Hafen um 14.35 h, Boxenplatz ( Poller ). Die Sonne sticht jedoch und wir kommen vor Hitze fast um in unserer Montur = schnell ablegen und kurze Hosen und dünne Shirts an. Der Hafen hier ist ein Fischer- und Sportboothafen.Die Fischerboote und die roten Fischerbuden, in denen die Gerätschaften gelagert werden, vermitteln einen gemütlichen und ursprünglichen Eindruck. Gegen 17.30 h kommt das Gewitter zurück und gibt jetzt "das volle Programm": Donner, Blitze, starke Böen und heftige Schauer; ca. 2 Stunden lang. Wir müssen alle Luken und den Niedergang schließen, da der Regen so heftig ist und der Wind die Richtungen ändert und somit den Regen gegen die Schotten schlägt. Weil Heidrun auch noch beim Kochen des Abendessens ist, erhalten wir gratis die Sauna dazu. Eine Wohltat, als wir dann später die Luken wieder öffnen konnten.                                                                                     22,8 sm





 

12.08.

Leinen los um 10.35 h, Wind NW 3 Bft, bedeckt. Vor dem Hafen Segel ausgerollt, wir wollen gen Westen, nach Rödvig auf Seeland / Dänemark. Hey do, Schweden! Am Fährhafen von Trelleborg segeln wir vorbei, und - oh Wunder - k e i n e Fähre kommt uns vor den Bug!? Doch der Wind kommt nun genau von vorne und briest auf gute 5 Bft auf; wir können den Kurs nicht mehr halten und die unangenehme See stört uns auch. Also: Kursänderung nach Klintholm auf Mön = längere Strecke, jedoch kürzere Segelzeit, weil wir bei diesem Kurs, auch gerefft, über 7 Knoten laufen und die Welle ist auch wesentlich angenehmer. Der Himmel bleibt grau, später ist eine drohende Regenfront voraus, doch die verschont uns. Der Wind wird später etwas weniger, wir reffen aus. Zehn Meilen vor der Küste flaut der Wind ab, wir motoren 45 Minuten, dann ist der Wind wieder da. Die Steilküste mit den Kreidefelsen ist immer wieder imposant; wir können auch die große Abbruchstelle sehen, wo im Januar d.J. ein gewaltiger Abrutsch erfolgte. "Um die Ecke" von Mön und dann Richtung Hafen motoren wir, dabei Ausschau haltend, dass wir nicht in die vielen Stellnetze geraten, die hier weit hinausreichen. Fest im Hafen von Klintholm um 17.10 h, Boxenplatz. Die Sonne hat sich ein Plätzchen am Himmel erobert und kämpft sich frei; somit dürfen wir noch einen sonnigen Abend erleben. Im Fischerhafen liegen nicht mehr viele Fischerboote und von den am Yachthafen plazierten Ferienwohnungen werden etliche zum Verkauf angeboten.                                                                                               39,5 sm





 

13.08.

10.20 h Leinen los, Wind SW 2 Bft, sonnig. Da "null Bock" der Mannschaft auf Kreuzen, motoren wir die Strecke zum Eingang des Grönsunds, der die Inseln Mön und Falster trennt. Allerdings ist hier ein großes Flach, das weiträumig umfahren werden muss. Den Südpricken erreichen wir um 12.10 h, dann weiter Richtung Ansteuerung rote Tonne ( 12.24 h ) in die mit roten und grünen Pricken gekennzeichnete Fahrrinne = hier rollen wir die Genoa aus und segeln gemütlich mit 3-4 Knoten duch das Fahrwasser mit Blick auf beide Inselküsten. Der Wind reicht bis kurz vor Stubbeköbing bzw. dreht dann kurz danach auf West ( gegenan ). Weil wir heute nur bis hierher wollen, Motor an Richtung Hafen. Fest im Yachthafen Stubbeköbing um 14.10 h, Boxenplatz. Am Himmel haben sich Quellwolken gebildet und kurzfristig sieht es aus, als ob ein Gewitter starten wolle, doch nach einigen Böen verzieht es sich und es bleibt sonnig. So können wir uns dieses alte Provinzstädtchen ansehen, denn wir waren ca. 25 Jahre nicht mehr hier. Sehr hübsch und adrett, die typischen dänischen Häuser sehr gepflegt. Am Kiosk beim Fähranleger zur kleinen Insel Bogö ( gegenüber ) können wir dann endlich "ristet Hotdog mit alles" essen: lecker! Diese Stärkung war ausserdem gut, weil der arme Harald später unsere Einkäufe im Supermarkt zurück schleppen musste. Die dänischen Preise sind doch wesentlich angenehmer als die schwedischen. Abends gibt es eine Kurzform des Gewitters: kurzes Grollen und "normalen" Regen.                                                                                                                                                    20 sm






 

14.08.

Leinen los um 9.35 h, Wind NO 1 Bft, heiter. Wir motoren Richtung Brücke, die Falster mit Mön verbindet, unterqueren sie um 10.10 h, dann sind wir im Smaalandsfahrwasser, das sich weitläufig zwischen den Inseln Falster, Lolland und Seeland erstreckt. Hier ist die zweite Brücke zu passieren, die von Falster nach Seeland führt = um 10.37 h "abgehakt". Wir fahren weiter gen Westen bis "unsere" grüne Tonne kommt, an der wir den Kurs ändern, um in Richtung Femö zu laufen. Auf dieser Seite des Gewässers sind sehr viele Flachs und deshalb sind entsprechende Seezeichen zu beachten, um nicht aufzulaufen. Um in den Hafen zu gelangen, müssen wir aus dieser Richtung fast um die ganze ( kleine! ) Insel herumfahren. Derweil bilden sich am Himmel graue Wolkenformationen; kommt da etwa schon die angekündigte Front? Wir haben den letzten für unseren Weg wichtigen roten Pricken erreicht und können jetzt direkt auf den Hafen zuhalten. Und gerade jetzt kommt wieder ein interressanter Logge-Stand: Der Meilenzähler springt auf die Schnappszahl 12.999 sm, dann: 13.000 sm; das begießen wir dann im Hafen! Fest im Hafen Femö um 13.15 h, Boxenplatz. Die dunklen Wolken verziehen sich, es bleiben noch ein paar "helle" und es wird wieder freundlicher. Der Wind legt - wie vorausgesagt - am Spätnachmittag zu und kommt aus Südost. Weil somit der Wind direkt von hinten ins Schiff weht, baut Harald die Kuchenbude auf; sehr gut, denn am Abend beginnt es im Rigg zu pfeifen.                                                                                                                                                                                 24 sm





 

15.08.

Das "Frontensystem" ist da. Der Wind bläst mit 6 Bft, zusätzlich Schauerböen 7 Bft, einzelne sogar mit 8 Bft, und dem entsprechenden Regen. Die Vorhersagen für die nächsten Tage sind kaum besser, also müssen wir abwarten. Von der Insel sehen wir nichts, da uns die Regenschauer unter Deck halten. Dann gucken wir eben über das Fernsehen "in die Welt".

 

16.08.

Morgens war es noch relativ ruhig, doch später legte das Wetter wieder voll zu: es pfeift erneut, Regenschauer und am Nachmittag die Steigerung: Gewitter. Einerseits ist es schon faszinierend, wieviele unterschiedliche Wolkenformationen möglich sind mit diversen Farbschattierungen, andererseits ist ein "langweilig" blauer Himmel wesentlich angenehmer. Fast alle Schiffe bleiben wieder im Hafen; es gibt jedoch immer 2-3 Yachten, die ablegen bzw. ankommen. Eine deutsche Sunbeam hat bei 8 Bft Wind gegenan den Anker verloren; sogar die Inselfähre hatte Grundberührung bei dem heftigen Seegang, als sie jedoch "eine Ecke etwas abkürzen wollte. Beim abendlichen Funk-Wetterbericht von DP07 hören wir u.a., dass es auch in anderen Häfen sehr voll ist, weil keiner weiterzieht und man sich erkundigt, wie die Liegeplatzsituation sei. Im dänischen Rundfunk werden heute zum 30.Todestag von Elvis Presley etliche entsprechende Sendungen gebracht. Wir toppen dies und spielen unsere Elvis CD's, ohne Geschnacke zwischendurch. Und weil das Wetter heute wieder so hässlich ist, gibt es auf Wunsch eines einzelnen Herrn Kartoffelpuffer mit Apfelmus zum Abendessen. " Strahlende Mienen danken es Ihnen"....


17.08.

Heute sind längere regenlose Phasen, doch der Wind tobt weiter. Harald radelt herum ( Heidrun kann dies leider noch nicht mitmachen ) und bringt einige kleine knackige Äpfel mit, die der Wind von den Bäumen geschüttelt hat und nur darauf gewartet haben, aufgesammelt zu werden. Abends können wir unseren Schiffsnachbarn mit Gas aushelfen, weil deren Gasflasche leer ist und auf der Insel keine Nachfüllung möglich ist. Nun können sie sich doch noch ein warmes Abendessen zubereiten; zum Dank erhalten wir eine gute Flasche Prosecco. Morgen soll der Wind abnehmen und auch das Wetter besser werden.

 

18.08.

Leinen los um 9.40 h, Wind WSW 4-5 Bft, Tendenz abnehmend, heiter. Großer Aufbruch im Hafen, einige sind schon sehr früh gestartet. Mit dem Großsegel als Unterstüzung motoren wir durch dieses etwas komplizierte Fahrwasser in nördliche Richtung zur Insel Vejrö, dort gibt es südlich der Insel eine Passage gen West, die uns zum großen Belt führt, nördlich vorbei an der Insel Lolland. Um 14.00 h setzen wir dann die Genoa und gehen auf die Kreuz nach Süden. Der Wind hat etwas gedreht, so dass wir nur einen Verholschlag machen müssen, um dann mit einem "langen Bein" fast auf den Leuchtturm Keldsnor von Langeland zuhalten zu können. Der Wind dreht weiter auf südöstliche Richtung und nimmt ab. Kurz vor dem Leuchtturm rollen wir die Segel ein und motoren im Pulk der anderen Segler um die Südspitze von Langeland, dann Richtung Hafen. Fest im Hafen von Bagenkop um 17.30 h, Boxenplatz. Der Hafen ist sehr gut besucht, da ja auch Wochenende ist. Früher war dies ein Fährhafen für die Linie Kiel-Bagenkop. Seit einigen Jahren ist der Fährbetrieb eingestellt und nun wird für den Tourismus umgebaut. Auch hier entstehen Ferienwohnungen um den Hafen, denn diese Insel ist auch sehr beliebt bei Anglern, die mit den kleinen Motorbooten hinausfahren, angeln, dann neuerdings gegen Abend zurück in die Ferienwohnung könnten. Für Naturliebhaber gibt es schöne Spazierwege zu den Steilkanten im Süden oder der sonst typisch dänischen Insellandschaft. 43 sm

 




19.08.

10.05 h legen wir ab, um zuerst zur Tankstelle zu fahren, um dort noch den reichlichen Dänenkronen-Bestand "abzubauen". Leinen los um 10.25 h, Wind SO 4 Bft, heiter. Vor dem Hafen Segel gesetzt und den Bug auf Kurs Richtung Kiel gelegt. So viele Segler rundum; wir sind das fast nicht mehr gewöhnt = viele segeln zurück Richtung Fehmarn, nach Kiel und Richtung Schlei, einige sind am Anfang des Urlaubs und ziehen gen Norden in die "dänische Südsee". Der Wind hat etwas aufgefrischt und bei SO 4-5 Bft rauschen wir mit siebeneinhalb Knoten über das Wasser. Im Süden ist jedoch eine sehr feucht aussehende Wolkendecke, die dann später über uns wabert. Um 13.15 h beginnt der Regen, der Wind springt auf SW, nimmt dann ab, die See wird ziemlich glatt. Hallo,wohlvertrauter Kieler Leuchtturm, wir sind zurück! Mit Dieselkraft fahren wir in die Kieler Förde, der Himmel reisst auf. Die Holtenauer Schleuse hatte wohl gerade die Tore geöffnet, denn es kommt und ein Geschwader von Frachtern und Kümos entgegen. Am Friedrichsorter Leuchtturm kreuzen wir das Fahrwasser nach West um Stickenhörn anzulaufen. Fest im Hafen um 15.50 h auf unserem festen Liegeplatz. Eine gute Stunde danach kommen Dörte und Felix vom Wochenendtörn zurück und später sitzen wir bei uns im Cockpit und klönen auch über unsere "Sommer" (?) -Törns.                                                                                         31 sm

31.08. - 2.09.

Unser Segelclub Baltic feiert sein 125-jähriges Jubiläum, gegründet 1882 in Königsberg/Pr. und einer der ältesten Segelclubs Deutschlands!  "Drei tolle Tage" sind für die Feierlichkeiten angesetzt. Wir fahren die ca. 3 sm von Stickenhörn mit dem Schiff  in das "Hauptbecken" des Clubs nach Kiel-Düsterbrook. Die Wetterlage ist nicht freundlich eingestimmt: Es bläst wieder einmal, dazu heftige Regengüsse und noch kräftigere Schauerböen. Am Freitagabend ist Grill-Stegfest mit leckeren Würstchen, zartem Fleisch, Salaten und Brot angesagt; beim dazu gehörenden Bier auch Zeit, um mit vielen Clubkameraden zu klönen, besonders auch solchen, die wir lange nicht mehr gesehen haben. Am Samstagvormittag dann der offizielle Empfang im aufgestellten Zelt mit Ehrengästen vom DSV ( Deutscher Seglerverband ), Sporthafen Kiel GmbH, der Stadt Kiel u.a. Der 1.Vorsitzende unseres Clubs, Prof. Dr. Carsten Stick, hält eine launige Rede, die sehr gut ankommt. Am Nachmittag erfolgt eine Geschwaderfahrt auf der Kieler Förde, was doch ein eindrucksvolles Bild ergibt. Am Abend darf nach dem ausgezeichneten Spanferkel mit Sauerkraut dann das Tanzbein beim Stiftungsfest geschwungen werden = sehr gute Stimmung! Der Sonntag rundet das Fest mit einem gelungenen Jazz-Frühschoppen ab. Die Erwachsenen haben sich alle gut amüsiert, die Kinder sowieso, da ja so viele Spielkameraden anwesend waren, mit denen man Krebse angeln und herumtollen konnte. Am Sonntagnachmittag fahren wir wieder zurück nach Stickenhörn. Rechtzeitig vor dem nächsten großen Schauer hatten wir unsere "Siebensachen" ausgeräumt und sind zurück nach Hamburg gefahren.


September bis November 2007

Anfang Oktober haben wir das Schiff in das Hauptbecken des SCB in Kiel-Düsternbrook verlegt, weil von hier aus der Weg zum Winterlager auf der Ostseite der Förde nur kurz ist ( fast genau gegenüber ). Der Club ging am 13.Oktober an Land und wir nutzten das gute Wetter und die Anwesenheit der vielen starken Männer, um hinüberzufahren, und den Mast zu ziehen. bzw. dann in das Mastenlager zu transportieren. Mit der guten "Menpower " hat auch alles gut geklappt und nun sieht das Schiff wieder so unvollständig aus, ohne Mast....


Weil bereits etliche Liegeplätze hier in Ellerbek  frei sind, lassen wir das Schiff  hier liegen, denn am 3. November  geht es an Land.  Das  Auto mutiert wieder zum  Lastwagen ; es ist erstaunlich, welche Mengen sich beim Ausräumen und zum Abtransport ergeben....

Der Morgen des 3. Novembers spiegelt die Saison wider: Es regnet auf dem Weg nach Kiel, der Himmel sieht nach Weltuntergang aus. Doch der Wetterbericht hatte für heute an Schleswig- Holsteins Küste trockenes Wetter versprochen .... ? - und:  richtig!!  In Kiel war es  zwar bedeckt,  aber trocken - und es blieb den ganzen Tag so!  Um 11.10 h hing das Schiff im Kran, wurde zum Winterlager gefahren und in den Bock gestellt. Das  Unterwasserschiff sieht gut aus = nur wenige Seepocken, sonst nur der übliche "Schmierfilm". Harald schafft es dann auch zeitlich, heute noch alles gut ( per Hand ! ) abzuwaschen (  Hochdruckreiniger dürfen aus Umweltschutz-Gründen in Kiel nicht eingesetzt werden ); das Abgewaschene wird auf einer Folie aufgefangen und dann als Sondermüll entsorgt.  An den darauffolgenden  Tagen werden  dann der Motor und die Pumpen samt Leitungen mit Frostschutzmittel winterfest gemacht, danach das Gerüst für die Winterlplane aufgebaut und das Schiff eingepackt.

Das  war die Saison 2007!